
Die Vogelzucht in der DDR war für viele Menschen eine Leidenschaft, die weit über die Versorgung der eigenen Tiere hinausging. Zuchtgemeinschaften, Ausstellungen und Fachzeitschriften verbanden Halter und Züchter miteinander.
Gleichzeitig prägten Futterversorgung, Materialbeschaffung und organisatorische Rahmenbedingungen den Alltag. Dieser Rückblick unterscheidet belegte Stationen der Verbandsgeschichte von regionalen Erfahrungen, die sich nicht ohne Weiteres auf die gesamte DDR übertragen lassen.
Ein Hobby mit älteren Wurzeln
Vogelhaltung und Vogelzucht begannen nicht erst mit der DDR. Die VZE-Chronik verweist auf eine bereits 1919 entstandene Vereinigung von Ziergeflügelliebhabern und eine Ziergeflügelschau in Leipzig im Jahr 1930.
Der Zweite Weltkrieg unterbrach diese Entwicklung. In den Nachkriegsjahren erschwerten fehlendes Futter und Material den Wiederaufbau der Vogelhaltung. Zugleich entstand der Wunsch nach einer erneuten gemeinsamen Organisation.
Die Geschichte der Vogelzucht in der DDR knüpfte somit an ältere Kenntnisse, persönliche Kontakte und Vereinstraditionen an.
Die Gründung der Zuchtgemeinschaft
Nach der Chronik der VZE gründeten 71 Mitglieder am 26. Oktober 1952 in Leipzig die „Zuchtgemeinschaft fremdländischer Vögel“. Die Initiative ging von Alfred Fichtner aus Markkleeberg aus.
Kurze Zeit später wurde die Gemeinschaft in „Spezialzuchtgemeinschaft Ziergeflügel und Exoten“ umbenannt. Sie unterstand zunächst dem Verband der gegenseitigen Bauernhilfe und ab 1959 dem Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter, kurz VKSK.
Alfred Fichtners Rolle
Alfred Fichtner war bereits vor der Gründung in der organisierten Vogelliebhaberei aktiv. Er hielt und züchtete unter anderem Ziergeflügel, Prachtfinken und Wellensittiche.
Von 1952 bis 1955 leitete er die neue Gemeinschaft als Obmann. Zu ihren frühen Aufgaben gehörten Versammlungen, Bestandsübersichten, ein Mitteilungsblatt und die Organisation der Futterversorgung.
Wichtige Stationen der Verbandsgeschichte
| Zeitpunkt | Entwicklung |
|---|---|
| 26. Oktober 1952 | Gründung der Zuchtgemeinschaft in Leipzig mit 71 Gründungsmitgliedern. |
| Dezember 1952 | Erstes vierseitiges Mitteilungsblatt im A5-Format mit Gründungsprotokoll und Aufgaben. |
| 1953 | Für die Gemeinschaft waren laut Chronik 25 Tonnen Futtermittel eingeplant. |
| 1959 | Zuordnung der Spezialzuchtgemeinschaft zum VKSK. |
| 1985 | Höchststand von 15.006 Züchtern in 572 Sparten. |
| Nach 1990 | Fortführung als VZE und erheblicher Mitgliederverlust im Zuge des gesellschaftlichen Umbruchs. |
Diese Zahlen beschreiben die betreffende Organisation, nicht sämtliche Vogelhalter oder Vogelzüchter der DDR. Auch die geplante Futtermenge sagt nichts darüber aus, was jedes einzelne Mitglied tatsächlich erhielt.
Futterversorgung als Gemeinschaftsaufgabe
Die Beschaffung geeigneter Futtermittel war bereits in den frühen Rundschreiben ein zentrales Thema. Die VZE-Chronik berichtet ausdrücklich von Futternot und nennt für 1953 eine eingeplante Gesamtmenge von 25 Tonnen.
Als vorgesehene Futtermittel werden unter anderem Hirse, Glanzsaat, Sonnenblumenkerne und Hanf genannt. Dabei handelte es sich um Versorgung für unterschiedliche Vogelarten, nicht um die Empfehlung einer einzigen Mischung für alle Bestände.
Regionale Zuteilungen und persönliche Erinnerungen
Für diesen Beitrag wurden auch Erfahrungen aus dem Vereinsumfeld zusammengetragen. Dazu gehört die Beschreibung, dass verfügbare Futtermengen über einen Futterwart anhand der gemeldeten Bestände verteilt wurden.
Für eine genauere historische Einordnung wären Jahr, Ort, Vogelbestand, Futtersorte und zusätzliche Bezugsquellen wichtig. Erst dadurch ließen sich verschiedene Erfahrungen sinnvoll vergleichen.
War die Vereinsmitgliedschaft Pflicht?
Die Einbindung der Spezialzuchtgemeinschaft in übergeordnete Verbandsstrukturen ist belegt. Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass jeder private Vogelhalter rechtlich verpflichtet war, einem Vogelverein beizutreten.
Eine Mitgliedschaft konnte für organisierte Zucht, Austausch und bestimmte Beschaffungswege praktisch sehr wichtig sein. Solche Vorteile müssen von einer allgemeinen gesetzlichen Verpflichtung unterschieden werden.
Die pauschale Aussage „Vogelverein war Pflicht“ würde ohne eine konkrete Vorschrift, Geltungszeit und Zuordnung zu bestimmten Haltergruppen zu weit gehen.
Austausch durch Treffen und Fachzeitschriften
Zur Gründung gehörte der Wunsch nach einem eigenen Mitteilungsblatt. Im Dezember 1952 erschien ein erstes vierseitiges Blatt mit dem Gründungsprotokoll und anstehenden Aufgaben.
Nach Unterbrechungen wurde die Publikation weiterentwickelt. Ab Januar 1956 trug das Organ den Titel „Ziergeflügel und Exoten“. Die Chronik beschreibt Beiträge über Haltung, Zucht und praktische Erfahrungen.
Fachlicher Austausch unter politischen Rahmenbedingungen
Die Veröffentlichung war nicht unabhängig von den damaligen Strukturen. Nach Angaben der Chronik waren eine Lizenz des Presseamtes und Papierkontingente erforderlich. Ausgaben wurden zudem durch den Zentralvorstand des VKSK zensiert.
Das Hobby verband damit persönliche Interessen und fachlichen Austausch mit staatlich geprägten organisatorischen Bedingungen.
Welche Vögel wurden gezüchtet?
Die Zuchtgemeinschaft umfasste unterschiedliche Vogelgruppen. In der Chronik begegnen unter anderem Wellensittiche, andere Sittiche, Prachtfinken, Ziertauben und Wasserziergeflügel. Kanarienzüchter hatten ebenfalls eigene organisatorische Zusammenhänge.
Aus diesen Beispielen lässt sich keine genaue Rangliste der beliebtesten Heimvögel in der gesamten DDR ableiten.
Wellensittiche innerhalb der Zuchtgemeinschaft
Wellensittiche gehörten zum dokumentierten Zucht- und Ausstellungsleben. Die Chronik nennt Züchter und Zuchtrichter, die sich mit Schauwellensittichen beschäftigten.
Wer die Unterschiede heutiger Erscheinungsformen verstehen möchte, findet ergänzende Informationen unter Zuchtformen von Wellensittichen und Farbschläge von Wellensittichen .
Ausstellungen und Vereinsleben
Ausstellungen waren Teil des organisierten Hobbys. In der VZE-Chronik werden langjährige Organisatoren, Zuchtrichter und Teilnehmer an DDR- und späteren Bundesausstellungen genannt.
Solche Veranstaltungen boten Gelegenheit, Tiere zu präsentieren und sich über Zuchtergebnisse auszutauschen. Vorbereitung, Aufbau und Betreuung erforderten gemeinschaftliche Arbeit.
Wie stark eine einzelne Schau besucht wurde, lässt sich allerdings nur mit konkreten Besucherzahlen, Presseberichten oder Vereinsunterlagen beurteilen. Ein allgemeiner „Ansturm“ sollte nicht für jede Ausstellung vorausgesetzt werden.
Internationale Kontakte trotz Einschränkungen
Die VZE-Chronik beschreibt, dass die Zusammenarbeit mit westdeutschen Zuchtfreunden durch die entstehenden Zonengrenzen 1949 unterbrochen wurde.
Eine vollständige internationale Isolation wäre dennoch eine zu pauschale Beschreibung. Dieselbe Chronik dokumentiert Kontakte zu tschechischen Vogelzüchtern, darunter Verbindungen zum Prager Club.
Möglichkeiten des Austauschs unterschieden sich also nach Zeitraum, Partnern und politischen Rahmenbedingungen.
Was veränderte sich nach der Wiedervereinigung?
Für die Nachfolgeorganisation VZE brachte die Wiedervereinigung einen erheblichen Umbruch. Nach der veröffentlichten Chronik verließen mehr als zwei Drittel der Mitglieder die Gemeinschaft aus unterschiedlichen Gründen.
Später stabilisierte sich der Mitgliederstand. Die Organisation öffnete sich für Vogelhalter und Züchter aus ganz Deutschland.
Einzelne Vereinsgeschichten können zeigen, welche Rolle berufliche Veränderungen, Umzüge oder neue Freizeitmöglichkeiten spielten. Ohne weitere Belege sollten diese Ursachen aber nicht für alle Vereine gleichgesetzt werden.
Erinnerungen bewahren und einordnen
Persönliche Berichte machen den damaligen Alltag anschaulich. Besonders wertvoll werden sie, wenn sie mit datierten Fotos, Futterkarten, Rechnungen, Rundschreiben oder Vereinsprotokollen verbunden werden.
- Aus welchem Jahr stammt die Erinnerung?
- In welchem Ort und Verein spielte sie sich ab?
- Welche Vogelarten wurden gehalten?
- Welche Unterlagen sind noch vorhanden?
- Handelt es sich um persönliche Erfahrung oder eine dokumentierte Regel?
Historische Haltungsmethoden sind dabei nicht automatisch Empfehlungen für die Gegenwart. Ein Rückblick erklärt damalige Bedingungen; die heutige Versorgung muss sich an den Bedürfnissen der Tiere orientieren.
Häufige Fragen zur Vogelzucht in der DDR
Dank und persönliche Erinnerungen
Ein herzlicher Dank gilt dem Verein für Vogelschutz Rostock Süd 1964 e.V. für die Informationen und Einblicke, die zur ursprünglichen Fassung dieses Beitrags beigetragen haben.
Hast du selbst Vögel in der DDR gehalten oder gezüchtet? Teile gern eine konkrete Erinnerung in den Kommentaren – möglichst mit Zeitraum, Region und Hinweisen auf erhaltene Unterlagen.
Zur historischen Einordnung: Die Angaben zu Gründung, Mitgliederentwicklung und Publikationen folgen der veröffentlichten VZE-Chronik . Sie dokumentiert die Geschichte aus Sicht der Organisation. Regionale Erfahrungen sind nicht automatisch für die gesamte DDR repräsentativ.