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Wellensittich Henne brutig

Als Wellensittichhalter beobachtet man seine Vögel genau. Plötzlich verändert sich etwas: Die friedliche Henne wird zur Furie, die Wand wird angenagt und der sonst so ruhige Hahn balzt alles an, was nicht bei drei auf dem Baum ist. Der Fachbegriff für dieses Verhalten lautet: Die Vögel sind brütig.

Doch was genau bedeutet das? Ist es Grund zur Freude oder zur Sorge? In diesem ausführlichen Ratgeber erfährst du alles über die Brutstimmung, wie du sie erkennst, warum sie entsteht und wann du als Halter regulierend eingreifen musst.

Was bedeutet „brütig“ eigentlich?

Bei „brütig“ handelt es sich um den Fachbegriff dafür, dass Wellensittiche hormonell auf Fortpflanzung eingestellt sind. Ihr gesamter Organismus läuft auf Hochtouren. Der Fortpflanzungstrieb (Libido) ist auf dem Höhepunkt, und die Vögel sind bereit, Eier zu legen und Nachwuchs aufzuziehen.

Kleiner Sprach-Exkurs: Oft liest man in Foren das Wort „brutig“ (ohne Umlaut). Das ist meist eine dialektische Färbung (z. B. aus dem Österreichischen) oder eine vereinfachte Schreibweise. Korrekt abgeleitet vom Verb „brüten“ heißt es jedoch „brütig“. Gemeint ist aber immer dasselbe: Die Hormone spielen verrückt.

Erkennungsmerkmale: So sieht die Brutstimmung aus

Die Brutbereitschaft lässt sich bei Wellensittichen hervorragend ablesen. Die Natur hat es so eingerichtet, dass Wellensittiche optisch signalisieren: „Ich bin bereit für einen Partner.“

1. Die Wachshaut (Cere): Der Hormonspiegel im Gesicht

Das sicherste Anzeichen ist die Wachshaut (die Nase direkt über dem Schnabel). Sie reagiert empfindlich auf den Hormonhaushalt (Östrogen bei Hennen, Testosteron bei Hähnen). Da sich die Färbung je nach Geschlecht unterschiedlich entwickelt, ist es wichtig, dass du das Geschlecht deines Vogels kennst. Falls du dir hierbei unsicher bist, hilft dir unser Ratgeber zur Geschlechtsbestimmung beim Wellensittich sicher weiter.

Grüne Wellensittich-Henne mit dunkelbrauner, krustiger Wachshaut sitzt auf einer Holzstange, ein deutliches Anzeichen für Brutstimmung.

Diese grüne Wellensittich-Henne zeigt die typische braune und leicht krustige Wachshaut, die eine Hochphase der Brutstimmung signalisiert.

Hier die spezifischen Veränderungen:

  • Die Henne:
    Im inaktiven Zustand ist die Wachshaut einer Henne hellblau, weißlich oder zart beige. Kommt sie in Brutstimmung, steigt der Östrogenspiegel massiv an. Die Wachshaut färbt sich dunkelbraun bis schokoladenbraun.
    Zusätzlich verändert sich die Struktur: Die Haut wird krustig, wulstig und wirkt oft „verschrumpelt“ oder uneben. Das ist völlig normal und kein Pilzbefall!
    Wichtig: Wenn die Brutstimmung abklingt, blättert diese braune Kruste oft in Stücken ab. Darunter kommt wieder die hellblaue/weiße Nase zum Vorschein. Viele Halter erschrecken dann, weil sie denken, die Nase sei verletzt – meist ist es aber nur der natürliche Rückgang der Brutstimmung.
  • Der Hahn:
    Männchen haben meist ohnehin eine blaue Nase. In der Brutstimmung intensiviert sich diese Farbe jedoch zu einem leuchtenden, tiefen Königsblau. Die Haut wirkt glatt und prall.
    Ausnahme: Bei bestimmten Farbschlägen (z. B. Lutinos, Albinos, Rezessive Schecken) färbt sich die Nase nicht blau, sondern bleibt Rosa oder Violett. In der Brutstimmung wird dieses Rosa intensiver und glänzender (Perlmutt-Effekt).
Grüner Wellensittich-Hahn mit leuchtend blauer Wachshaut in Brutstimmung beim Balzen und Schnäbeln mit einem Weibchen.

Ein deutliches Signal für Brutstimmung beim Hahn: Die Wachshaut leuchtet in einem tiefen Königsblau. Hier sieht man zudem das typische Balzverhalten (Schnäbeln) mit dem Partnerin.

2. Verhalten: Vom Hausvogel zum Raubtier

Noch auffälliger als die Farbe der Nase ist oft die Wesensänderung.

  • Der Nagetrieb (Schreddern):
    Hennen in der Wildnis müssen Bruthöhlen in harte Eukalyptusbäume nagen. Dieser Instinkt erwacht auch im Wohnzimmer. Korkröhren werden in Rekordzeit zerlegt, Äste entrindet, und wenn kein Spielzeug da ist, suchen sie sich Alternativen. Oft wird dann die Tapete angefressen oder Bücher und Türrahmen müssen daran glauben. Dieser Zerstörungsdrang dient instinktiv der Vorbereitung einer Höhle.
  • Aggressivität und Revierverteidigung:
    Brütige Wellensittiche (besonders Hennen) verteidigen ihren auserwählten Platz vehement. Artgenossen werden weggehackt, und auch die Hand des Halters wird plötzlich gebissen. Das ist kein Zeichen, dass der Vogel dich nicht mehr mag – er folgt nur seinem Instinkt, das potenzielle Nest zu schützen.
  • Höhlensuche:
    Hennen suchen zwanghaft nach dunklen Ecken. Sie kriechen hinter Sofakissen, inspizieren offene Schubladen, hängen kopfüber in Futternäpfen oder suchen den Boden nach Nischen ab.
  • Die „Bananen-Stellung“:
    Bietet sich die Henne dem Hahn zur Paarung an, macht sie ein Hohlkreuz, legt den Kopf in den Nacken und hebt den Schwanz an. Ihre Form erinnert dann an eine Banane. Dazu gibt sie oft leise, fiepende Geräusche von sich.

Biologie: Warum werden Wellensittiche überhaupt brütig?

Um zu verstehen, warum dein Wellensittich brütig wird, muss man einen Blick in seine Heimat Australien werfen.

Wellensittiche sind Opportunisten. Anders als heimische Vögel, die strikt im Frühling brüten, warten Wellensittiche auf günstige Bedingungen. In den Trockengebieten Australiens kann es monatelang nicht regnen. Brüten wäre dann Energieverschwendung, da die Küken verhungern würden.
Regnet es jedoch, explodiert die Natur: Gräser sprießen, Sämereien sind im Überfluss vorhanden. Das ist das Startsignal!

Das Problem der Heimtierhaltung: Das Schlaraffenland

In unseren Wohnzimmern simulieren wir oft unbewusst „ewigen Frühling“ und optimale Brutbedingungen:

  1. Nahrungsüberfluss: Volle Näpfe, energiereiches Körnerfutter, dazu Leckerlis, Knabberstangen und täglich Obst. Der Vogelkörper denkt: „Perfekt, genug Nahrung für fünf Babys!“
  2. Lichtdauer: Wir haben abends lange das Licht oder den Fernseher an. Tage, die 12 bis 14 Stunden hell sind, signalisieren dem Vogel: „Es ist Sommer/Regenzeit“.
  3. Wohlfühltemperatur: Es ist immer warm und gemütlich.
  4. Bruthöhlen: Nistkästen, Kokosnüsse oder Kuschelhöhlen werden oft gut gemeint angeboten, sind aber der stärkste Auslöser.

Risiken: Warum „Dauerbrutstimmung“ gefährlich ist

Ein bisschen Flirten und eine braune Nase sind harmlos. Problematisch wird es, wenn Wellensittiche in eine Dauerbrutstimmung geraten oder Hennen anfangen, Eier zu legen, ohne aufzuhören.

Die Produktion eines Eies verbraucht enorme Mengen an Kalzium und Energie. Hält dieser Zustand über Wochen oder Monate an, drohen ernste Gefahren:

  • Legenot (Fachartikel): Das Ei bleibt im Legedarm stecken. Die Henne kann es nicht herauspressen. Dies ist ein lebensbedrohlicher Notfall, der sofort operiert werden muss.
  • Osteoporose: Um die Eierschalen zu bilden, zieht der Körper Kalzium aus den Knochen der Henne. Die Knochen werden brüchig.
  • Kloakenvorfall: Durch das ständige Pressen kann Gewebe nach außen treten.
  • Psychischer Stress: Dauerbrütige Hähne sind oft sexuell frustriert, bedrängen die Hennen pausenlos oder versuchen, Gegenstände zu begatten, was zu Kloakenentzündungen führen kann.

Deshalb gilt: Ein Wellensittich sollte nicht dauerhaft brütig sein. Phasen der Ruhe sind für die Gesundheit essenziell!

Der Notfallplan: Brutstimmung verhindern und beenden

Wenn deine Henne Eier legt (oder legen will) und du nicht konkret planst, Wellensittiche selber zu züchten (was viel Fachwissen erfordert!), solltest du die Brutstimmung aktiv herunterfahren. Man nennt dies auch den „Wüstenmodus“ – man simuliert künstlich eine karge Zeit, um die Hormone zu beruhigen.

Hier sind die effektivsten Maßnahmen:

1. Futterumstellung (Diät)

Das ist der wichtigste Hebel. Reduziere die Energie!

  • Kein Grünfutter: Streiche Obst und Gemüse komplett für 2-4 Wochen. Vitamine feuern den Bruttrieb an.
  • Mageres Körnerfutter: Nutze Mischungen mit viel Glanzsaat (Kanariensaat) und Gräsersamen.
  • Weg mit den Kalorienbomben: Keine Knabberstangen, kein Eifutter, kein Keimfutter.
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2. Lichtreduktion

Verkürze die Tageslänge drastisch.

  • Reduziere die Beleuchtung (Bird Lamp) auf 8 bis maximal 10 Stunden pro Tag.
  • Decke den Käfig abends früher ab, um eine lange, ungestörte Nachtruhe zu simulieren.

3. Nistplatzentzug

  • Entferne alles, was wie eine Höhle aussieht: Nistkästen, Kokosnüsse, Stoffzelte.
  • Wenn die Henne in der Futterschale brüten will: Wechsle auf flache Bodenschalen oder kleinere Edelstahlnäpfe, in die sie sich nicht hineinquetschen kann.
  • Verschließe dunkle Ecken im Zimmer (hinterm Schrank, unter dem Sofa), wenn die Vögel Freiflug haben.

4. Umgestaltung (Stress als Ablenkung)

Klingt fies, hilft aber: Wellensittiche brüten nur, wenn sie sich absolut sicher fühlen.

  • Stelle den Käfig um.
  • Tausche die Sitzstangen aus oder hänge das Spielzeug an andere Stellen.
  • Diese leichte Verunsicherung signalisiert: „Die Umgebung ist nicht stabil genug für Babys.“

Wann zum Tierarzt?

Sollten alle oben genannten Maßnahmen nach 2-3 Wochen keine Wirkung zeigen und die Henne weiterhin Eier legen oder extrem aggressiv sein, liegt möglicherweise eine hormonelle Störung vor.

Zysten an den Eierstöcken oder Tumore können Hormone produzieren und eine Dauerbrutstimmung vortäuschen. Ein vogelkundiger Tierarzt kann hier helfen. Es gibt Möglichkeiten, den Hormonspiegel medikamentös (z. B. durch Implantate) zu senken, um das Leben der Henne zu retten.

In den meisten Fällen: Nein. Eine braune, oft unebene oder krustige Wachshaut ist das sicherste Zeichen dafür, dass deine Henne brutig ist. Es handelt sich um eine hormonell bedingte Veränderung (Hyperkeratose). Sobald die Brutstimmung nachlässt, wird die Kruste heller und blättert oft sichtbar ab. Nur wenn die Nasenlöcher zuwachsen, musst du eingreifen.
Dieses Verhalten ist nicht böse gemeint, sondern instinktiv. Brütige Wellensittiche (besonders Hennen) verteidigen ihr Revier und potenzielle Nistplätze aggressiv gegen Eindringlinge. Deine Hand wird in dieser Phase als Bedrohung für die „Bruthöhle“ angesehen. Sobald sich die Hormone normalisieren, wird der Vogel meist wieder friedlich.
Nimm das Ei nicht einfach ersatzlos weg, da die Henne sonst sofort neue Eier nachproduziert („Nachlegezwang“), was sie körperlich auszehrt. Die beste Methode: Koche das Ei ab (oder nutze ein Kunst-Ei aus Plastik/Gips) und lege es ihr zurück. Lass sie darauf brüten, bis sie das Interesse verliert. Parallel dazu musst du zwingend die Futter- und Lichtbedingungen ändern (Wüstenmodus), um die Brutlust zu stoppen.
Anders als bei Wildvögeln gibt es in Wohnungshaltung keine feste Zeitspanne. Solange die Auslöser (energiereiches Futter, langes Tageslicht, Wärme, Höhlen) vorhanden sind, bleibt der Vogel brütig. Ohne Gegenmaßnahmen des Halters kann dies zu einer chronischen Dauerbrutstimmung führen, die gesundheitsschädlich ist.
Es ist besser, darauf zu verzichten. Obst enthält Fruchtzucker und liefert viel Energie, was den Bruttrieb befeuert. Gurke ist zwar kalorienarm, enthält aber Proteine und Vitamine, die ebenfalls stimulierend wirken können. Um die Brutstimmung effektiv zu beenden („Wüstenmodus“), solltest du für 2–4 Wochen komplett auf Frischkost verzichten.

Fazit: Ein natürlicher Vorgang, der Kontrolle braucht

Dass dein Wellensittich in Brutstimmung kommt, ist erst einmal ein Kompliment an deine Haltung: Es geht ihm gut, er hat genug Futter und fühlt sich sicher. Solange die Phase kurz ist und keine Eier gelegt werden, musst du nicht panisch werden.

Beobachte deine Vögel aber genau. Sobald die Aggression überhandnimmt oder Eier ins Spiel kommen, solltest du als verantwortungsvoller Halter die „Bremse ziehen“ und die Haltungsbedingungen anpassen (Wüstenmodus). So sicherst du deinen gefiederten Freunden ein langes und gesundes Leben – ganz ohne den Stress der Elternschaft.

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Vögel sind meine Leidenschaft: Schon seit Kindheitstagen ist mein Leben eng mit Wellensittichen verbunden. Mittlerweile bereichern auch andere australische Sittiche meinen Alltag. Als aktives Mitglied der AZ e. V. teile ich hier fundiertes Praxiswissen für eine Haltung, bei der das Tierwohl an erster Stelle steht. Dieses Projekt betreibe ich mit viel Herzblut – unabhängig, ehrlich und zur Kostendeckung finanziert durch *Affiliate-Links und Werbung.

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    Faris 18. Juni 2016 at 23:11 - Reply

    hallo

    Ich wollte einfach mal fragen wie man ein Wellensittich schneller in Brutstimmung bringen kann?

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      Maik 19. Juni 2016 at 08:08

      Voraussetzungen um Wellensittiche in Brutstimmung zu bekommen sind:

      Nach der Brut der Wellensittiche sollten diese Maßnahmen wieder heruntergefahren werden, da sie einen negativen Einfluss auf das Alter von Wellensittichen haben. Besonders das Eifutter sollte eingestellt werden. Luftfeuchtigkeit und UV-Licht kontrolliert einsetzen und die Fütterung von Grünfutter/Keimfutter auf normale Fütterung anpassen.