
Sieht man unsere friedlichen Stubenvögel an, mag man es kaum glauben: In ihrer australischen Heimat ist das Leben ein täglicher Kampf ums Überleben. Während sie im Schwarm Schutz suchen, lauern überall natürliche Feinde.
Wer sind die Jäger, die es auf die kleinen Papageien abgesehen haben? In diesem Artikel nehmen wir die größten Bedrohungen unter die Lupe und zeigen dir, mit welchen faszinierenden Strategien Wellensittiche ihren Häschern entkommen.
Natürliche Feinde: Fressen und gefressen werden
Das australische Outback ist wunderschön, aber gnadenlos. Für einen kleinen Vogel bedeutet jeder Tag, wachsam zu sein. Die Feinde der Wellensittiche kommen dabei aus der Luft, vom Boden und kriechen sogar in die Bruthöhlen.
Raubvögel: Der Tod kommt aus der Luft
Greifvögel gehören zu den gefährlichsten Jägern für den wilden Wellensittich. Sie nutzen Geschwindigkeit und Überraschungsmomente. Doch der Wellensittich ist nicht wehrlos: Durch blitzschnelle Flugmanöver und das plötzliche Auseinanderstieben des Schwarms verwirren sie die Angreifer.
Zwei Jäger tun sich dabei besonders hervor:
1. Der Rußfalke (Falco subniger)
Dieser mittelgroße Falke ist ein absoluter Flugakrobat. Mit einer Spannweite von bis zu 115 cm ist er perfekt an die Jagd in offenen Landschaften angepasst.

Der Rußfalke (Falco subniger) ist ein rasanter Jäger und gehört zu den gefährlichsten Feinden für Wellensittichschwärme.
- Jagdstrategie: Er erspäht seine Beute aus großer Höhe und greift im Sturzflug an.
- Gefahr: Besonders in der Dämmerung ist er durch seine dunkle Färbung fast unsichtbar. Da Wellensittiche ebenfalls sehr schnell sind, stellen sie für den Rußfalken eine lohnende Herausforderung dar.
2. Der Graurücken-Krähenwürger (Butcherbird)
Sein englischer Name „Butcherbird“ (Fleischervogel) klingt wie aus einem Horrorfilm – und das aus gutem Grund. Dieser elsterähnliche Vogel geht oft brutal vor:

Der Graurücken-Krähenwürger (Cracticus torquatus), auch Butcherbird genannt, ist dafür berüchtigt, Wellensittich-Nester zu plündern.
- Der Überfall: Er attackiert gezielt die Bruthöhlen und zerrt die Jungvögel heraus.
- Die Vorratskammer: Da er keine starken Greiffüße hat, spießt er seine Beute auf Dornen oder Astgabeln auf. Das dient nicht nur der Nahrungsaufnahme, sondern auch als Vorratsspeicher.
Schlangen: Die lautlose Gefahr am Boden
Besonders während der Brutzeit sind Schlangen gefürchtete Feinde. Da Wellensittiche Höhlenbrüter sind, sitzen die Weibchen und Küken oft in der Falle, wenn eine Schlange in den Baum eindringt. Die Elternvögel versuchen dann verzweifelt, den Räuber durch lautes Geschrei und Flügelschlagen zu vertreiben.

Schlangen wie die Östliche Braunschlange klettern in Bruthöhlen und gehören zu den lautlosen Feinden, die Eier und Küken bedrohen.
Zu den gefährlichsten Schlangenarten für Wellensittiche gehören:
- Braunschlangen (Pseudonaja spp.)
- Tigerschlangen (Notechis scutatus)
- Taipane (Oxyuranus spp.)
- Todesottern (Acanthophis antarcticus)
Echsen und kleine Säugetiere
Nicht nur Vögel und Schlangen haben es auf die Sittiche abgesehen. Echsenarten wie der Blauzungenskink klettern geschickt und rauben Eier aus den Nestern. Auch Säuger wie Ratten und kleine Beuteltiere sind oft nachts aktiv und nutzen den Schutz der Dunkelheit, um schlafende Vögel zu überraschen.
Geniale Schutzstrategien: So überlebt der Wellensittich
Trotz all dieser Gefahren gibt es eine gute Nachricht: Der Wellensittich (Melopsittacus undulatus) gilt weltweit als nicht gefährdet. Die Population ist stabil, weil sie Meister der Anpassung sind.
Dies bestätigt auch die renommierte Rote Liste der IUCN, die den Wellensittich als „Least Concern“ führt. (EEAT-Link zur Verifizierung).
So schützen sich Wellensittiche effektiv:
- Die Macht des Schwarms: Tausende Augen sehen mehr als zwei. Ein riesiger Schwarm erkennt Feinde sofort.
- Perfekte Tarnung: Ihr grünes Gefieder lässt sie im Laub der Eukalyptusbäume fast unsichtbar werden.
- Flugkunst: Sie sind wendig, schnell und können Haken schlagen, die jeden Verfolger alt aussehen lassen.
Unnatürliche Feinde: Der Einfluss des Menschen
Leider hat auch der Mensch das Leben der Wellensittiche erschwert. Diese „unnatürlichen Feinde“ sind oft indirekt, aber verheerend.
- Zerstörung des Lebensraums: Landwirtschaft und Bergbau verdrängen die Vögel. Ohne alte Bäume fehlen Bruthöhlen, ohne Gräser fehlt Nahrung.
- Klimawandel: Extremwetterereignisse und Dürren nehmen zu und bringen das natürliche Gleichgewicht durcheinander.
- Haus- und Nutztiere: In besiedelten Gebieten werden freilebende Sittiche oft Opfer von Katzen oder Hunden.
Fazit
Das Leben eines wilden Wellensittichs ist ein faszinierendes Abenteuer voller Gefahren. Doch durch ihre Intelligenz und den Zusammenhalt im Schwarm trotzen sie ihren Feinden seit Jahrtausenden erfolgreich.
Achte darauf, dass keine „Stuben-Feinde“ wie giftige Zimmerpflanzen oder offene Fenster zur Bedrohung werden. Hast du Fragen zur Sicherheit deiner Vögel? Schreib es uns in die Kommentare!
![Australien - Kontinent der Gegensätze und Extreme - ungekürzte Fassung [Blu-ray] Australien - Kontinent der Gegensätze und Extreme - ungekürzte Fassung [Blu-ray]](https://m.media-amazon.com/images/I/51joA-9sx4L._SL500_.jpg)

Das die Natur ein sehr komplexes System ist, ist ja allen hoff ich klar. Aber ich finde es immer wieder abenteuerlich die Details zu entdecken :-)
Sehr interessant. Wusste davon noch gar nichts. Sehr einfach und schön erklärt.