Atmungssystems eines Wellensittichs: Darstellung von Luftröhre, Lunge und Luftsäcken im Körper eines blauen Sittichs.

Als Vogelhalter solltest du die Besonderheiten kennen. Nur so kannst du erste Anzeichen von Atemproblemen – wie ein leises Knacken oder Wippen – rechtzeitig deuten und Leben retten. In diesem Artikel erklären wir dir einfach und verständlich, wie Wellensittiche atmen und wann du handeln musst.

So funktioniert das geniale Atmungssystem der Vögel

Im Gegensatz zu Säugetieren besitzen Wellensittiche ein starres Lungengewebe. Der eigentliche Motor der Atmung sind die sogenannten Luftsäcke. Sie wirken wie Blasebälge und sorgen dafür, dass die Luft hocheffizient durch den Vogelkörper strömt.

Schematische Darstellung des Atmungssystems eines Wellensittichs mit Lungen, Luftsäcken und Luftröhre.

Das hocheffiziente Atmungssystem der Wellensittiche: Ein Zusammenspiel aus Lungen und mehreren Luftsäcken sorgt für konstanten Sauerstofffluss.

Ein Wellensittich besitzt in der Regel 9 dieser Luftsäcke (je nach Zählweise bis zu 11). Sie dienen nicht nur als „Luftspeicher“, sondern übernehmen auch wichtige Funktionen bei der Thermoregulation (Kühlung) und verringern das Körpergewicht für das Fliegen.

Wiki-Wissen für Halter: Die Atemfrequenz
Ein gesunder Wellensittich atmet im Ruhezustand etwa 60 bis 80 Mal pro Minute. Da Vögel einen sehr schnellen Stoffwechsel haben, reagieren sie extrem empfindlich auf Sauerstoffmangel. Nach einem Flug kann die Frequenz kurzzeitig stark ansteigen, muss sich aber binnen weniger Minuten wieder normalisieren.

Der Weg der Luft: Ein ausgeklügelter Kreislauf

Die Reise des Sauerstoffs beginnt an den Nasenlöchern, führt durch die Luftröhre (Trachea) und verzweigt sich am Stimmkopf (Syrinx) in die Bronchien. Doch hier passiert das Besondere: Der Luftstrom ist bei Vögeln „unidirektional“. Das bedeutet, frische Luft strömt permanent durch die Lunge – sowohl beim Einatmen als auch beim Ausatmen.

So läuft der Atemzyklus ab:

  • Einatmen: Frische Luft strömt in die hinteren Luftsäcke. Gleichzeitig wird „verbrauchte“ Luft aus der Lunge in die vorderen Luftsäcke geschoben.
  • Ausatmen: Die frische Luft aus den hinteren Luftsäcken wird nun durch die Lunge gepresst (Gasaustausch findet statt), während die alte Luft aus den vorderen Luftsäcken den Körper verlässt.

Dieser Mechanismus macht das Atmungssystem von Wellensittichen extrem leistungsfähig. Es hat jedoch eine Kehrseite: Durch die effiziente Aufnahme gelangen auch Giftstoffe (wie Dämpfe von Teflonpfannen oder Rauch) viel schneller und in höheren Konzentrationen in den Blutkreislauf als bei uns Menschen.

Symptome erkennen: Wenn das Atmen schwerfällt

Leider gehören Erkrankungen der Atemwege zu den häufigsten Todesursachen bei Ziervögeln. Da Wellensittiche als Beutetiere Krankheiten lange verstecken, musst du auf kleinste Veränderungen achten. Ein gesundes Atmen ist lautlos und kaum sichtbar.

Achte sofort auf diese Alarmzeichen:

  • Atemgeräusche: Hörst du ein Pfeifen, Rasseln oder Knacken beim Atmen? Jedes hörbare Geräusch ist pathologisch (krankhaft) und kann auf Luftsackmilben beim Wellensittich hindeuten.
  • Schwanzwippen: Der Schwanz bewegt sich im Takt der Atmung deutlich auf und ab? Das zeigt, dass der Vogel die Hilfsmuskulatur braucht, um Luft zu bekommen.
  • Schnabelatmung: Atmet dein Vogel mit geöffnetem Schnabel und streckt dabei den Hals? Das ist ein Zeichen für akute Atemnot (Dyspnoe)!
  • Veränderte Haltung: Ein aufgeplustertes Gefieder (Mattigkeit) in Kombination mit schwerer Atmung.
  • Nasenausfluss: Verklebte Federn oberhalb der Nasenlöcher oder häufiges Niesen.
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Erste Hilfe bei Atemproblemen

Wenn du den Verdacht hast, dass das Atmungssystem gestört ist, zählt jede Stunde.

  1. Vogelkundiger Tierarzt: Gehe nicht zu einem „normalen“ Kleintierarzt. Du benötigst einen Spezialisten mit Zusatzausbildung für Zier- und Wildvögel.
  2. Stress vermeiden: Fange den Vogel behutsam ein. Stress verschlimmert die Atemnot massiv.
  3. Luftqualität prüfen: Ist die Luft zu trocken? Wellensittiche benötigen eine Luftfeuchtigkeit von 50 bis 60 %. Ein Hygrometer hilft dir bei der Kontrolle.
  4. Hygiene & Umgebung: Entferne Staubquellen, nutze staubarme Einstreu und vermeide strikt Zigarettenrauch in der Nähe der Wellensittiche, sowie Duftkerzen oder Teflondämpfe.

Häufige Fragen zu Vogellunge & Co.

Das Atmungssystem der Vögel ist wesentlich effizienter als das von Säugetieren. Dank der Luftsäcke strömt die Luft nur in eine Richtung (unidirektional) durch die Lunge, was einen fast permanenten Gasaustausch ermöglicht – selbst beim Ausatmen.
  • Schnabelatmung: Der Schnabel steht offen, die Atmung ist schnell und flach.
  • Schwanzwippen: Der Schwanz wippt rhythmisch mit jedem Atemzug (Zeichen für Anstrengung).
  • Geräusche: Jedes Knacken, Pfeifen oder Rasseln ist ein Warnsignal.
Hörbare Atemgeräusche sind nie normal. Ein klickendes oder knackendes Geräusch deutet oft auf Luftsackmilben oder eine Lungenentzündung hin. Pfeifen kann auf eine Verengung der Luftröhre (z. B. durch Pilzbefall/Aspergillose) hinweisen. Weitere medizinische Details zu Ursachen von Atemnot beim Vogel findest du auf Fachportalen für Tiermedizin.
Suche sofort einen vogelkundigen Tierarzt auf! Bis dahin: Setze den Vogel in einen separaten Käfig (Quarantäne), halte ihn warm (Rotlicht, aber mit Ausweichmöglichkeit) und vermeide jeglichen Stress.
Ja, sehr oft sogar. Zu trockene Heizungsluft, Zigarettenrauch, staubige Einstreu oder mangelndes Lüften reizen die empfindlichen Atemwege und begünstigen Infektionen.
Das sind winzige Parasiten, die in den Atemwegen leben. Typische Symptome sind „Knacken beim Atmen“, Würgen und Husten. Ein Tierarzt kann diese gut mit einer Spot-On-Methode behandeln.

Fazit: Achte auf den Atem deiner Vögel

Das Atmungssystem deines Wellensittichs ist faszinierend, aber auch empfindlich. Als Halter ist deine Beobachtungsgabe die beste Lebensversicherung für deinen Vogel. Hörst du ein Knacken beim Atmen oder siehst das Schwanzwippen, warte nicht ab.

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Vögel sind meine Leidenschaft: Schon seit Kindheitstagen ist mein Leben eng mit Wellensittichen verbunden. Mittlerweile bereichern auch andere australische Sittiche meinen Alltag. Als aktives Mitglied der AZ e. V. teile ich hier fundiertes Praxiswissen für eine Haltung, bei der das Tierwohl an erster Stelle steht. Dieses Projekt betreibe ich mit viel Herzblut – unabhängig, ehrlich und zur Kostendeckung finanziert durch *Affiliate-Links und Werbung.

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