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Wenn ein Wellensittich schläft, wird aus dem kleinen Wirbelwind oft eine „Flauschkugel“: Der Kopf steckt im Gefieder, ein Beinchen ist eingezogen und die Augen sind halb geschlossen. Genau diese Ruhephase ist jedoch kein Luxus, sondern ein Grundbedürfnis. Sie ist entscheidend dafür, wie stressresistent, aktiv und gesund der Vogel im Alltag ist. Wer den Schlafrhythmus der Vögel versteht, kann Müdigkeit früher erkennen, Nachtstress vorbeugen und den Schlafplatz wellensittichgerecht einrichten.
Wie schlafen Wellensittiche eigentlich?
Um gesund und ausgeglichen zu bleiben, benötigen Wellensittiche durchschnittlich 10 bis 12 Stunden ungestörten Schlaf pro Nacht. In der Natur orientieren sie sich dabei am Sonnenuntergang. Deshalb ist auch in der Heimhaltung ein geregelter Tag-Nacht-Rhythmus essenziell – wie wichtig Lichtsteuerung und Ruhephasen für Heimvögel sind, wird auch im MSD/Merck Veterinary Manual zur Vogelhaltung beschrieben. Idealerweise ruhen die Vögel an hochgelegenen Plätzen, bevorzugt auf Schaukeln. Dabei stecken sie oft den Kopf ins Rückengefieder und ziehen ein Bein ein.

Typische Schlafhaltung: Köpfchen im Nacken, aufgeplustert und entspannt auf der Schaukel.
Der Rhythmus der australischen Heimat
In ihrer ursprünglichen Heimat Australien dauern die Nächte zwischen zehn und 14 Stunden. Dieser natürliche Rhythmus ist tief in den Genen der Vögel verankert. Deshalb sollten Wellensittiche idealerweise mindestens 10 Stunden pro Nacht schlafen. Wenn du diesen Rhythmus ignorierst und die Vögel auf Dauer zu wenig oder schlecht schlafen, riskierst du, dass sie krank werden oder sich bestehende Krankheiten verschlimmern.
Dösen und Nickerchen am Tag
Es ist nicht ungewöhnlich, wenn du deinen Welli auch tagsüber beim Ruhen oder Dösen beobachtest. Neben dem tiefen Nachtschlaf halten viele Wellensittiche tagsüber kurze Nickerchen. Diese Phasen des Schlummerns sind völlig normal und helfen den Tieren, neue Energie für ihre Flugmanöver und Sozialkontakte zu tanken. Solange der Vogel in den Wachphasen aktiv ist, musst du dir hierbei keine Sorgen machen.
Die Ruhephase des Sittichs verstehen: Schlafen, Dösen, Ruhen – was ist was?
Nicht jede Ruhe ist Tiefschlaf. Im Alltag siehst du meist Mischformen:
- Dösen: Die Augen sind halb geschlossen, der Vogel bleibt „ansprechbar“ und reagiert schnell.
- Schlummern: ruhiger, länger, häufig mit leicht aufgeplustertem Gefieder.
- Ruhen/Entspannen: Die Augen sind offen oder kurz geschlossen, oft nach dem Fressen oder Freiflug.
- Richtiges Schlafen: Kopf im Gefieder, „Schnabel versteckt“, ein Bein eingezogen, kaum Reaktion.
Ein Mini-Indikator ist, dass sich viele Wellis aufplustern, bevor sie einschlafen – aus dem schlanken Vogel wird kurz ein „Federball“. Das ist meist ein gutes Zeichen, denn es zeigt einen entspannten Zustand und dient der Wärmehaltung.
Typische Anzeichen für Müdigkeit
Wenn du folgende Signale beobachtest, solltest du die Umgebung ruhig gestalten und Störungen vermeiden:
Gähnen & Strecken
Oft das erste Signal: Der Welli „fährt runter“, lockert die Muskulatur und bereitet sich aufs Schlafen vor. Häufig kommt danach ein kurzer Moment des Dösens oder ein Wechsel auf den Lieblingsplatz.
Was tun? Licht nicht abrupt wechseln, keine Action direkt am Käfig, eher ruhig sprechen und Routine beibehalten.
Aufgeplustertes Gefieder
Die typische „Flauschkugel“: Aufplustern hilft beim Wärme speichern und zeigt meist Entspannung. Viele Wellis plustern sich kurz vor dem Einschlafen deutlich auf.
Was tun? Zugluft vermeiden, Schlafplatz oben im Käfig anbieten, Umgebung ruhig halten.
Ein Beinchen eingezogen
Der Klassiker in der Ruhephase: Das Beinchen verschwindet im Bauchgefieder, um Wärme zu halten. In Kombination mit „Kopf im Gefieder“ ist das ein sehr klares Zeichen für Schlafbereitschaft.
Was tun? Nicht „wecken“ oder animieren. Wenn mehrere Vögel da sind: genügend Sitzplätze auf gleicher Höhe bereitstellen.
Halb geschlossene Augen
Die Lider fallen zu, der Blick wird weich: Das ist Dösen oder beginnendes Schlummern. Viele Wellis schließen die Augen erst kurz, dann länger – besonders nach Fressen oder Freiflug.
Was tun? Störungen minimieren (laute Geräusche, hektische Bewegungen), Licht eher dimmen statt knallenhell.
Aktivität sinkt & Rückzug
Der Vogel wird merklich ruhiger, sitzt länger still und sucht den sicheren Ruheplatz (oft hoch und etwas abseits). Im Schwarm kann das auch bedeuten: weniger „mitdiskutieren“, weniger klettern, weniger Spiel.
Was tun? Ruhezone respektieren, Käfig nicht mehr umdekorieren, abends keine neuen Reize (neues Spielzeug, Staubsaugen, Besuch direkt daneben).
Der Schlafplatz: Wo schlafen Wellensittiche am liebsten?
Für einen Fluchttier wie den Wellensittich ist die Wahl des Schlafplatzes eine Frage von Leben und Tod – zumindest sagt ihm das sein Instinkt.
Warum Schaukeln der Favorit sind
Beobachtungen zeigen: Wellensittiche schlafen am liebsten auf Schaukeln. Aber warum ist das so?
- Sicherheit vor Feinden: In der Natur erkennen Wellensittiche einen sich nähernden Fressfeind daran, dass sich der Ast bewegt. Eine Schaukel simuliert diesen beweglichen Ast.
- Beruhigung: Durch die leichte Bewegung fühlen sich Wellensittiche nachts auf Schaukeln besonders sicher. Wenn möglich, solltest du deshalb so viele Schaukeln wie Vögel im Käfig anbringen.

Ein schlafender Wellensittich: Köpfchen im Nacken, Schnabel versteckt – so sieht entspannte Nachtruhe aus.
Sitzstangen und die richtige Anordnung
Nicht jeder Käfig bietet Platz für vier oder sechs Schaukeln. Wenn der Platz begrenzt ist, kannst du Sitzstangen als Schlafplätze anbieten. Hierbei gibt es jedoch wichtige Details zu beachten, um Streit zu vermeiden.
- Höhe: Wellensittiche wollen instinktiv immer „hoch hinaus”, da dies Sicherheit bedeutet. Achte deshalb darauf, dass alle Schlafplätze auf gleicher Höhe angebracht sind.
- Material: Naturäste sind glatten Plastikstangen vorzuziehen, da sie den Füßen besseren Halt bieten.
- Einzelplätze: Besonders beliebt sind kurze Sitzstangen aus Naturholz, auf die exakt ein Wellensittich passt. Diese „Einzelzimmer” bieten dem Vogel die nötige Ruhe und Abstand zum Nachbarn.
Der abendliche Streit um den besten Platz
Vielleicht kennst du das: Das Licht wird gedimmt und plötzlich bricht Hektik im Käfig aus. In vielen Volieren gibt es vor dem Schlafengehen Zankereien um die besten Plätze. Das ist völlig normal und kein Grund zur Sorge. Sobald das Licht im Vogelzimmer ausgeht, bleiben die Vögel meist auf ihren erkämpften Plätzen sitzen, da sie im Dunkeln schlecht sehen und ihren Platz nicht mehr wechseln wollen.
Beliebte Schlafpositionen
Die „klassische” Haltung ist das Stehschlafen, oft auf einem Bein. Dabei drehen die Vögel den Kopf um 180 Grad nach hinten und betten ihn weich im Rückengefieder. Diese Haltung entlastet die Nackenmuskulatur und schützt den empfindlichen Schnabel sowie die Atemwege vor Kälte.
Ein Sonderfall ist der „Fledermaus-Wellensittich”
Manche Halter erschrecken, wenn ihr Wellensittich nachts am Käfiggitter hängt und dort schläft. Ist das normal? Ja, das kommt häufig vor. Es mag für uns unbequem aussehen, ist aber eine von vielen möglichen Positionen.
Wann ist Vorsicht geboten? Wenn dein Wellensittich auch tagsüber längere Zeit am Gitter hängt und schwer atmet, kann dies auf ein Atemproblem hindeuten. In diesem Fall solltest du das Verhalten dringend von einem vogelkundigen Tierarzt abklären lassen.
Optimale Bedingungen für den gesunden Schlaf von Wellensittichen
Damit Wellensittiche wirklich tief schlafen können, sind vor allem Dunkelheit, Ruhe und ein stabiles Raumklima wichtig.
- Abdunkeln: Zur Schlafenszeit sollte es im Vogelzimmer dunkel sein. Im Sommer helfen Vorhänge oder Rollläden, um eine Nachtruhe von 10 bis 12 Stunden zu gewährleisten. Ein dünnes, atmungsaktives Tuch über dem Käfig ist keine Pflicht, sondern eine Alternative, wenn die Wohnlage unruhig ist, beispielsweise durch Straßenlaternen, Autoscheinwerfer oder frühe Beleuchtung. In diesem Fall sollte der Käfig nur teilweise abgedeckt werden, damit genug Luft zirkuliert und keine Panik entsteht.
- Ruhe: Wellensittiche hören sehr gut. Abends sollten im Raum möglichst keine lauten Geräusche gemacht werden. Ein Fernseher direkt daneben ist oft ungünstig, da das Flimmern und die plötzlichen Lautstärkewechsel den Schlaf stören. Ein ruhiger Standort des Käfigs wirkt hier Wunder.
- Schwaches Nachtlicht gegen Nachtpanik: Nicht komplett stockdunkel, da Wellensittiche im Dunkeln schlecht sehen und bei Schreck in Nachtpanik geraten können. Ein sehr schwaches, warmes Nachtlicht hilft bei der Orientierung. Wichtig: Es darf nicht flackern, es dürfen keine grellen Schatten entstehen und es sollte so platziert sein, dass es beruhigt, aber nicht aufweckt.
- Konstantes Raumklima: Zugluft und starke Temperaturschwankungen sollten besonders am Schlafplatz vermieden werden. Im Schlaf fährt der Stoffwechsel herunter, daher ist ein zugfreier, gleichmäßiger Bereich ideal.
Häufige fragen zum Schlafverhalten von Wellensittichen
Fazit: Gesunder Schlaf für ein langes Vogelleben
Ein optimal gestalteter Schlafplatz ist die Grundlage für erholsamen Schlaf und beugt Stress sowie gesundheitlichen Problemen vor. Wenn du auf 10 bis 12 Stunden Ruhe achtest, Schaukeln anbietest und ein sanftes Nachtlicht installierst, leistest du einen entscheidenden Beitrag zur Lebensqualität deiner Tiere. Beobachte deine Vögel genau: Ein entspannter, schlafender Wellensittich, der morgens voller Energie erwacht, ist das schönste Lob für eine gute Haltung.
Hast du schon einmal ungewöhnliches Schlafverhalten bei deinem Wellensittich beobachtet? Teile deine Erfahrungen in den Kommentaren mit und lass uns gemeinsam das Wohlbefinden unserer gefiederten Freunde verbessern!


