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Männlicher Schwarzgesichtsittich (Hooded Parrot) mit typischer schwarzer Kappe, türkisem Gefieder und gelbem Schulterfleck auf einem Ast sitzend.

Wer einmal einen Schwarzgesichtsittich (Psephotus dissimilis) in natura gesehen hat, vergisst diesen Anblick so schnell nicht wieder. Diese australischen Sittiche gehören zu den elegantesten Vertretern ihrer Ordnung. Doch so schön sie sind, so anspruchsvoll ist ihre Haltung. Sie sind keine Anfängervögel, sondern benötigen einen erfahrenen Halter, der ihre Bedürfnisse nach Wärme, speziellem Futter und Flugraum versteht. In diesem umfassenden Guide tauchen wir tief in die Welt dieser faszinierenden Vögel ein – von ihrer wilden Herkunft in den Termitenhügeln Australiens bis hin zur optimalen Voliere in deinem Zuhause.

Erscheinungsbild – Steckbrief des Schwarzgesichtsittichs

Der Schwarzgesichtsittich gehört zur Gattung der Singsittiche (Psephotellus). Um Verwirrung zu vermeiden, ist es wichtig, die Nomenklatur zu klären: In der Fachliteratur und unter Züchtern wird er häufig auch als Collettsittich oder unter dem englischen Namen Hoodedsittich (Hooded Parrot) geführt. Er ist eng verwandt mit dem Goldschultersittich, unterscheidet sich aber durch spezifische Farbmerkmale.

Ein markantes Merkmal dieser Art ist der ausgeprägte Geschlechtsdimorphismus. Das bedeutet, Männchen und Weibchen lassen sich optisch sehr leicht voneinander unterscheiden, was die Zusammenstellung von Paaren erheblich erleichtert.

Das Männchen

Das Männchen ist der Namensgeber der Art. Es trägt eine auffällige schwarze Kappe (Stirn, Scheitel und Nacken), die einen starken Kontrast zum restlichen Gefieder bildet. Die Körperunterseite leuchtet in einem intensiven Türkisblau, während der Rücken und die Flügeldecken eher graubraun bis olivgrün gehalten sind. Ein absoluter Blickfang ist der leuchtend gelbe Flügelspiegel (Schulterfleck), der besonders im Flug oder beim Balzen zur Geltung kommt. Der Schnabel ist gräulich-hornfarben, die Iris dunkelbraun.

Schwarzgesichtsittich Pärchen auf einem Ast: Links das olivgrüne Weibchen, rechts das türkise Männchen mit schwarzer Kappe.

Ein harmonisches Paar: Gut zu erkennen ist der deutliche Farbunterschied (Geschlechtsdimorphismus) zwischen dem schlichten Weibchen (links) und dem farbenprächtigen Männchen (rechts).

Das Weibchen

Wie bei vielen Bodenbrütern ist das Weibchen deutlich schlichter gefärbt, um während der Brutzeit im Termitenhügel oder in Bodennähe nicht von Fressfeinden entdeckt zu werden. Ihr Gefieder ist überwiegend matt olivgrün bis gelblich-grün. Die Unterseite ist blasser, oft mit einem leichten bläulichen Anflug, und die typische schwarze Kappe des Männchens fehlt ihr gänzlich oder ist nur sehr matt angedeutet. Stattdessen zeigt sie oft eine bräunliche Stirn.

Tabellarischer Steckbrief

Merkmal Beschreibung
Wissenschaftlicher Name Psephotellus dissimilis (früher oft Psephotus dissimilis)
Synonyme Collettsittich, Hoodedsittich, Hooded Parrot
Größe Ca. 26 bis 28 cm
Gewicht 50 bis 60 Gramm
Lebenserwartung 15 bis 20 Jahre (bei guter Pflege auch älter)
Verwandtschaft Gehört zu den Plattschweifsittichen (Tribus), Gattung Singsittiche

Verbreitung und Lebensraum vom Schwarzgesichtsittich

Die Heimat des Schwarzgesichtsittichs liegt im tropischen Norden Australiens, genauer gesagt im Northern Territory. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom westlichen Arnhem Land bis hin zum Daly River.

Der Lebensraum ist geprägt von trockenen, offenen Eukalyptus-Wäldern und Savannenlandschaften, die reich an Termitenhügeln sind. Diese Termitenbauten sind überlebenswichtig für die Art (siehe Abschnitt Brutbiologie). Das Klima in dieser Region ist extrem: Es gibt eine heiße Trockenzeit und eine intensive Regenzeit („The Wet“). Der Hoodedsittich ist also an hohe Temperaturen gewöhnt, kommt aber mit feucht-kalter Witterung, wie sie im europäischen Herbst oft herrscht, sehr schlecht zurecht.

Er ist stark an Wasserstellen gebunden und unternimmt in der Trockenzeit nomadische Wanderungen, um Futter und Wasser zu finden.

Verhalten

Schwarzgesichtsittiche sind tagaktive Vögel, die einen Großteil ihrer Zeit mit der Nahrungssuche am Boden verbringen. Sie bewegen sich dort flink und geschickt. Ihr Flug ist schnell, leicht wellenförmig und oft begleitet von Kontaktrufen.

Außerhalb der Brutzeit kann man sie in kleinen Familienverbänden oder losen Schwärmen beobachten. Sie gelten als sozial, aber territorial, sobald die Brutstimmung einsetzt. Ein interessantes Verhaltensmerkmal ist ihre Ruhe: Im Gegensatz zu vielen anderen Papageien sind sie keine „Nager“. Das Holz der Voliere bleibt meist verschont, da ihr Schnabel eher auf das Knacken von Sämereien und das Graben in weichen Termitenbauten ausgelegt ist.

Ruf und Lautstärke

Die Frage nach der Lautstärke ist für viele Halter entscheidend. Hier gibt es gute Nachrichten: Der Collettsittich gehört zu den angenehmeren Mitbewohnern. Er verfügt zwar über eine kräftige Stimme, nutzt diese aber meist nur für kurze Kontaktrufe („cluk-cluk“ oder ein metallisches Pfeifen). Er ist kein Dauer-Schreier wie manche Aras oder Sonnensittiche.

Männchen tragen während der Balz melodische Gesänge vor, die durchaus angenehm klingen können. Dennoch: Wenn sie erschrecken oder warnen, kann der Ruf schrill und durchdringend sein.

Hörbeispiel: Du möchtest wissen, wie der Schwarzgesichtsittich klingt? Hier findest du authentische Aufnahmen aus der Wildnis:
🔊 Ruf des Schwarzgesichtsittichs auf xeno-canto.org anhören

Haltung in menschlicher Obhut

Kommen wir zum wichtigsten Teil: Kannst du dem Schwarzgesichtsittich ein artgerechtes Zuhause bieten? Diese Vögel sind keine Käfigvögel. Eine Haltung in handelsüblichen Kleinkäfigen führt zu Verfettung, Muskelatrophie und psychischen Störungen.

Artgerechte Haltung: Platz und Wärme sind Pflicht

Aufgrund ihres ausgeprägten Flugbedürfnisses ist eine geräumige Voliere zwingend erforderlich.

  • Die Maße: Eine Voliere für ein Paar sollte mindestens 3 bis 4 Meter Länge haben. Die Höhe ist zweitrangig, da die Vögel horizontal fliegen („Streckenflieger“).
  • Der Boden: Da sie viel Zeit am Boden verbringen, muss dieser peinlichst sauber gehalten werden. Betonböden mit einer Schicht aus Vogelsand oder Buchenholzgranulat, die regelmäßig gewechselt wird, sind ideal, um Parasitenbefall (Würmer) vorzubeugen.
  • Das Klima (Wichtig!): Das ist der kritischste Punkt. Der Schwarzgesichtsittich verträgt keinen Frost und keine nasskalte Zugluft. In einer Außenvoliere muss zwingend ein beheiztes Schutzhaus angeschlossen sein, das auch im Winter mindestens 10 °C bis 15 °C hält. Viele Züchter empfehlen sogar, die Vögel im Winter komplett in Innenvolieren unterzubringen, da ihre Füße sehr anfällig für Erfrierungen sind.
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Ernährung: Was frisst der Schwarzgesichtsittich?

In der Natur ernährt sich der Hoodedsittich fast ausschließlich von Grassamen und Kräutern. In menschlicher Obhut neigen diese Vögel leider schnell zur Verfettung, wenn das Futter zu energiehaltig ist (z.B. zu viele Sonnenblumenkerne).

Der optimale Speiseplan sieht so aus:

  • Körnerfutter: Eine hochwertige Mischung für Großsittiche (ohne Sonnenblumenkerne!) oder Neophemen-Futter. Es sollte viele verschiedene Hirsearten, Glanzsaat und Gräsersamen enthalten.
  • Keimfutter: Dies ist essenziell! Gekeimte Samen simulieren die Futterbedingungen der Regenzeit und sind reich an Vitaminen und Enzymen. Besonders zur Zuchtvorbereitung unverzichtbar.
  • Grünfutter: Vogelmiere, Löwenzahn, halbreife Hirsekolben, Gurke, Karotte und Apfel werden gerne genommen.
  • Grit & Mineralien: Da sie Sämereien entspelzen, benötigen sie Magenkiesel (Grit) zur Verdauung im Muskelmagen sowie Kalk für den Knochenbau.
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Brutbiologie: Die Besonderheit der Termitenhügel

Die Fortpflanzung des Schwarzgesichtsittichs ist ein faszinierendes Schauspiel der Evolution. In der Wildnis graben die Vögel Röhren in Termitenhügel. Warum? Weil im Inneren der Termitenbauten ein konstantes Mikroklima herrscht. Die Temperatur und Luftfeuchtigkeit sind dort ideal für die Eier.

Schwarzgesichtsittich Weibchen (Henne) mit olivgrünem Tarngefieder auf einem Ast sitzend.

Das schlichte olivgrüne Gefieder des Weibchens ist überlebenswichtig, um beim Anflug auf die Bruthöhle im Termitenhügel nicht von Fressfeinden entdeckt zu werden.

Zucht in der Voliere:

In Menschenhand muss der Halter diesen Termitenhügel simulieren. Herkömmliche Nistkästen aus Holz werden oft nicht angenommen oder führen zu schlechten Schlupfergebnissen (zu trocken).

  • Der Nistkasten: Erfahrene Züchter nutzen spezielle Nistkästen, die komplett mit einem Gemisch aus Torf und Sand gefüllt werden. Das Weibchen muss sich – wie in der Natur – ihre Bruthöhle selbst hineingraben. Diese körperliche Arbeit stimuliert den Bruttrieb.
  • Heizung: Manche Züchter beheizen die Nistkästen sogar leicht, um die Wärme der Termitenbauten nachzuahmen.
  • Das Gelege: Es besteht meist aus 3 bis 5 Eiern, die ca. 20 Tage lang bebrütet werden.

Gefährdung und Schutzstatus

Im Gegensatz zu seinem nahen Verwandten, dem Goldschultersittich, gilt der Bestand des Schwarzgesichtsittichs (Psephotellus dissimilis) derzeit laut IUCN als „Least Concern“ (nicht gefährdet), wobei die Populationstrends dennoch genau beobachtet werden müssen, da Lebensraumverlust und veränderte Brandrodungspraktiken in Australien Risiken darstellen.

Dennoch unterliegt der Handel strengen Artenschutzbestimmungen. Er ist im Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) gelistet. Wer diese Vögel in Europa hält oder züchtet, muss in der Regel eine Herkunftsnachweispflicht erfüllen und die Vögel beringen.

Mehr Infos zum Status:
IUCN Red List Entry für Psephotellus dissimilis

Vergesellschaftung von Schwarzkopfsittichen

Kann man den Schwarzgesichtsittich mit anderen Vögeln zusammenhalten? Die klare Antwort lautet: Jein, aber Vorsicht ist geboten.

Außerhalb der Brutzeit sind sie oft friedlich und können in sehr großen Volieren eventuell mit kleinen, friedlichen Finkenarten vergesellschaftet werden. Aber:

  • Innerartliche Aggression: Männchen können untereinander extrem aggressiv werden. Halte niemals zwei Paare in einer Voliere, es sei denn, diese hat Zoo-Dimensionen.
  • Brutzeit-Aggression: Sobald die Vögel in Brutstimmung kommen (und das passiert bei guter Fütterung schnell), verteidigen sie ihr Revier vehement. Gegenüber Artgenossen und auch anderen Sitticharten sind brütende Schwarzgesichtsittiche sehr aggressiv. Sie können andere Vögel jagen und schwer verletzen.

Experten-Tipp: Die sicherste und stressfreieste Haltung ist die paarweise Unterbringung in getrennten Volieren. So können sich die sensiblen Vögel voll auf ihren Partner konzentrieren.

Fazit: Ein Exot für Kenner

Der Schwarzgesichtsittich ist kein Vogel „für nebenbei“. Er verlangt Investitionen in Technik (Beheizung), Platz (große Volieren) und Zeit (Futterzubereitung, Hygiene). Wer jedoch bereit ist, diese Mühen auf sich zu nehmen, wird mit einem der schönsten und interessantesten Vögel Australiens belohnt. Sein elegantes Wesen, die leuchtenden Farben und das spannende Brutverhalten machen ihn zu einem Highlight jeder gut geführten Sammlung.

Dein nächster Schritt

Du bist fasziniert vom Schwarzgesichtsittich und traust dir die anspruchsvolle Haltung zu?

Suche Kontakt zu erfahrenen Züchtern! Tritt einer Vereinigung wie der AZ (Vereinigung für Artenschutz, Vogelhaltung und Vogelzucht) bei, um dich vor dem Kauf persönlich auszutauschen und gesunde, blutsfremde Paare zu finden. Ein guter Start ist die Basis für viele Jahre Freude an diesen australischen Juwelen.

Häufige Fragen zum Schwarzgesichtsittich (FAQ)

Nein. Aufgrund ihrer Empfindlichkeit gegenüber Kälte (sie benötigen im Winter mind. 10–15 °C) und der speziellen Brutbiologie (Termitenhügel-Simulation) gehören sie in die Hände von erfahrenen Haltern, die den technischen und räumlichen Aufwand nicht scheuen.
Eher selten. Schwarzgesichtsittiche sind keine klassischen „Sprecher“ wie Wellensittiche oder Amazonen. Ihr Talent liegt eher in melodischen Pfiffen und Gesängen. Sie imitieren manchmal Umgebungsgeräusche, aber deutliche Wörter lernen sie kaum.
Bei guter Pflege, artgerechter Ernährung und Schutz vor Kälte können Schwarzgesichtsittiche (Collettsittiche) ein Alter von 15 bis 20 Jahren, teilweise sogar darüber hinaus, erreichen.
Ja, in Deutschland unterliegen sie der Bundesartenschutzverordnung. Sie benötigen einen Herkunftsnachweis (vom Züchter) und müssen in der Regel bei der zuständigen Naturschutzbehörde gemeldet werden. Achte beim Kauf unbedingt auf geschlossene Fußringe.

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Vögel sind meine Leidenschaft: Schon seit Kindheitstagen ist mein Leben eng mit Wellensittichen verbunden. Mittlerweile bereichern auch andere australische Sittiche meinen Alltag. Als aktives Mitglied der AZ e. V. teile ich hier fundiertes Praxiswissen für eine Haltung, bei der das Tierwohl an erster Stelle steht. Dieses Projekt betreibe ich mit viel Herzblut – unabhängig, ehrlich und zur Kostendeckung finanziert durch *Affiliate-Links und Werbung.

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