
Keimfutter für Wellensittiche entsteht, wenn geeignete ganze Saaten nach dem Einweichen feucht gehalten werden, bis ein kleiner Keim sichtbar ist. Es kann als gelegentliche Ergänzung Abwechslung bieten. Die Zubereitung braucht jedoch besondere Sorgfalt: In warmen, feuchten Saaten können sich auch unerwünschte Mikroorganismen vermehren.
Das Wichtigste vorab: Verwende frische, zum Keimen geeignete Saaten, saubere Geräte und kleine Portionen. Lass das Einweichwasser nicht lange stehen, spüle und entwässere die Saaten während der Keimung und entsorge die gesamte Portion bei Schimmel, Schleim, Verfärbungen oder auffälligem Geruch. Auch ein frischer Geruch beweist keine Keimfreiheit.
Quellfutter und Keimfutter: der Unterschied
Quellfutter sind Saaten, die Wasser aufgenommen haben, aber noch keine sichtbare Keimspitze zeigen. Bei Keimfutter ist nach dem Quellen und weiteren Keimen eine kleine Spitze zu erkennen. Wie schnell das geschieht, hängt unter anderem von Saat und Raumtemperatur ab – feste Angaben wie „immer nach 24 Stunden“ sind deshalb wenig hilfreich.
Beide Formen sind feucht und verderben schneller als trockenes Körnerfutter. Plane sie als Ergänzung ein, nicht als automatisch bessere Version der gesamten Tagesration.
Was kann Keimfutter leisten?
Beim Keimen verändert sich die Zusammensetzung einer Saat. Daraus lässt sich aber keine allgemeine Nährwertgarantie ableiten: Nicht jede Saat enthält nach dem Keimen dieselbe Menge an Vitaminen, und ein „höchster Vitamin- und Enzymgehalt“ zu einem bestimmten Zeitpunkt ist für eine gemischte Portion nicht belegbar.
Für Wellensittiche kann das feuchte Futter neue Texturen und Beschäftigung bieten. Es ersetzt weder eine passende Grundfütterung noch frisches Wasser, geeignetes Gemüse oder eine notwendige tierärztliche Behandlung. Die gesamte Ernährung erläutern wir unter Wellensittich-Ernährung.

Einige Wellensittiche probieren neues Futter erst nach wiederholtem Angebot. Feuchte Reste sollten nicht lange liegen bleiben.
Welche Saaten eignen sich?
Wähle nur ganze, frische und keimfähige Saaten oder eine für Wellensittiche angebotene Keimfuttermischung ohne Honig, Zucker, Backerzeugnisse oder andere Zusätze. Eine Trockenmischung, die als Körnerfutter geeignet ist, muss nicht automatisch zum Keimen geeignet sein.
| Saat oder Mischung | Einordnung | Worauf achten? |
|---|---|---|
| Für Wellensittiche deklarierte Keimfuttermischung | Praktischer Einstieg | Frische, Zusammensetzung und Anleitung des Herstellers prüfen |
| Ganze, keimfähige Hirsesaaten | Mögliche Grundlage | Nur saubere, für die Fütterung geeignete Ware verwenden |
| Ungeschälter Saathafer | Möglich, wenn keimfähig | Nicht mit geschältem Hafer oder verarbeiteten Haferflocken verwechseln |
| Weizen oder Buchweizen | Als geeignete Einzelsaat möglich | Qualität, Keimfähigkeit und Eignung für die Vögel prüfen |
| Geschälter oder gequetschter Hafer | Nicht als Keimsaat verwenden | Feuchte Körner können matschig werden, ohne zuverlässig zu keimen |
| Mischungen mit Honig, Pellets oder Backerzeugnissen | Nicht zum Keimen verwenden | Zusätze sind für die feuchte Keimzubereitung ungeeignet |
| Schleimbildende Saaten wie Leinsamen | Nicht für diese einfache Glas- oder Siebmethode | Schleim erschwert die Kontrolle und das Abtropfen |
Rohe Bohnensprossen würde ich nicht pauschal als besonders gute Wellensittich-Keimsaat empfehlen. Bei Hülsenfrüchten kommt es auf die konkrete Art und sichere Verarbeitung an. Für einen einfachen Einstieg bleib lieber bei einer geeigneten, klar deklarierten Mischung kleiner Saaten.
Keimfutter zubereiten: Schritt für Schritt
Ein gut zu reinigendes Sieb ist ebenso geeignet wie ein Sprossenglas. Wichtig ist nicht die Geräteform, sondern dass Wasser vollständig ablaufen kann und du alle Teile nach Gebrauch gründlich reinigen und trocknen kannst.
- Kleine Menge abmessen: Setze nur so viel an, wie du frisch anbieten willst. Je größer die Portion, desto schwieriger ist es, alle Körner gut zu spülen und zu kontrollieren.
- Saaten vorspülen: Spüle sie in einem sauberen Sieb unter Trinkwasser ab. Waschen entfernt Schmutz, macht belastete Saaten aber nicht steril.
- Einweichen: Bedecke sie in einem sauberen Gefäß einige Stunden mit frischem Wasser. Die genaue Dauer richtet sich nach Saat und Produktanleitung; eine pauschale Einweichzeit von 24 Stunden ist zu lang als Standardregel.
- Wasser abgießen: Spüle die Saaten erneut und lass sie gründlich abtropfen. Sie sollen feucht bleiben, aber nicht in stehendem Wasser liegen.
- Keimen lassen: Halte sie in einem gut belüfteten Sieb oder schräg stehenden Keimglas. Spüle sie währenddessen regelmäßig mit sauberem Wasser und lass jedes Mal alles vollständig ablaufen.
- Portion prüfen: Sobald kleine Keimspitzen zu sehen sind, kontrolliere Geruch, Farbe und Oberfläche. Entsorge bei jedem Verdacht auf Verderb die gesamte Portion.
- Frisch anbieten: Spüle und entwässere das Futter nochmals. Gib nur eine kleine Portion in einen sauberen Napf und entferne Reste zeitnah, bei sommerlicher Wärme besonders früh.
Hygiene reduziert Risiken, beseitigt sie aber nicht vollständig. Krankheitserreger können bereits auf oder in Saaten vorhanden sein und sich beim Keimen vermehren. Auch regelmäßiges Spülen und ein unauffälliger Geruch garantieren kein mikrobiologisch sicheres Rohfutter.

Saubere Utensilien und gut abtropfende Saaten sind bei der Zubereitung besonders wichtig.
In einem schräg stehenden Sprossenglas kann überschüssiges Wasser ablaufen. Reinige und trockne es nach jedem Durchgang gründlich. © Maik/Pixelino
Woran erkennst du verdorbenes Keimfutter?
- Schimmel: Flaumiger oder verfärbter Belag ist ein eindeutiger Grund, die ganze Portion zu entsorgen.
- Schleim: Glitschige, zusammenklebende Körner oder trübes Einweichwasser sind Warnzeichen.
- Ungewöhnlicher Geruch: Sauer, faulig, muffig oder deutlich hefig riechende Saaten nicht verfüttern.
- Unklarer Befund: Verwechsle verdächtigen Flaum nicht auf Verdacht mit harmlosen Wurzelhaaren. Wenn du es nicht sicher einordnen kannst, entsorge die Portion.
Schneide keine auffälligen Teile ab, um den Rest weiterzuverwenden. Reinige anschließend Gefäß, Sieb und Napf gründlich und lass sie vollständig trocknen. Essigwasser allein ist keine verlässliche Garantie, vorhandene Krankheitserreger zu beseitigen.
Wie viel Keimfutter anbieten?
Beginne mit einer kleinen Portion und beobachte, ob deine Wellensittiche sie überhaupt fressen. Die Menge zählt zur Gesamtration; ein zusätzlicher voller Teelöffel pro Vogel und Tag ist keine allgemeine Pflicht oder sichere Obergrenze. Auch im Winter ist „vorsorglich mehr Keimfutter“ keine pauschale Ernährungsregel.
Bei häufigem Eierlegen, einer bekannten Erkrankung oder einer ärztlich verordneten Diät solltest du Keimfutter nur nach Rücksprache anbieten. Ein geschwächter Vogel braucht zuerst eine Diagnose und einen passenden Futterplan – nicht automatisch besonders feuchtes Rohfutter.
Keimfutter aufbewahren und anbieten
Bereite bevorzugt kleine Mengen zum zeitnahen Verfüttern zu. Feuchte Keimlinge sollten nicht warm oder über längere Zeit im Napf stehen bleiben. Gerade bei Hitze kann das Risiko für Verderb steigen. Wirf Reste weg und reinige den Napf vor der nächsten Portion.
Eine Lagerung im Kühlschrank macht eine verunreinigte Portion nicht wieder sicher. Wenn du Keimfutter nicht sofort anbieten kannst, entsorge es im Zweifel lieber, statt dich auf Geruch oder Aussehen allein zu verlassen.

Gekeimte Körner nur frisch, in kleiner Menge und aus einem sauberen Napf anbieten.
Häufige Fragen zu Keimfutter
Was ist der Unterschied zwischen Quell- und Keimfutter?
Quellfutter hat Wasser aufgenommen, zeigt aber noch keine sichtbare Keimspitze. Bei Keimfutter beginnt der Keim sichtbar auszutreiben. Beides ist feucht und entsprechend leicht verderblich.
Kann ich normales Körnerfutter keimen lassen?
Nicht jede Mischung eignet sich. Geschälter Hafer, Pellets oder Zusätze können die Zubereitung erschweren und verderben. Wähle eine geeignete Keimfuttermischung oder geprüfte keimfähige Einzelsaaten.
Wie oft dürfen Wellensittiche Keimfutter bekommen?
Es gibt keine Pflicht, Keimfutter in einem festen Wochenrhythmus zu geben. Wenn du es anbietest, beginne mit kleinen Mengen als Teil der Gesamtration. Bei Erkrankungen oder häufiger Eiablage besprich die Fütterung vogelkundig.
Ist selbst gezogenes Keimfutter durch Spülen sicher?
Nein. Sauberkeit und Spülen sind wichtig, können Krankheitserreger auf oder in den Saaten aber nicht zuverlässig ausschließen. Verwende gute Ausgangsware und entsorge jede verdächtige Portion.
Was bedeutet weißer Flaum an Keimen?
Feine Wurzelhaare können hell aussehen, Schimmel ebenfalls. Wenn du einen Belag nicht sicher einordnen kannst oder andere Warnzeichen wie Geruch und Schleim dazukommen, verfüttere die Portion nicht.
Keimfutter ist eine mögliche Ergänzung, kein notwendiger Gesundheitstrick. Bei der Entscheidung zählen vor allem eine geeignete Ausgangssaat, sorgfältige Hygiene und die Bedürfnisse deiner Wellensittiche.




Ich gebe meinen Wellis einmal in der Woche Quellfutter, sie lieben es. Kann ich das Quellfutter auch aussäen und das Gras dann meinen Zwergen geben? Vielen Dank für Eure Antwort.
Natürlich kannst du das Quellfutter aussähen, die unterschiedlichen Samen werden im Garten gut gedeihen. Jedoch kannst die Gräser auch so sammeln und anbieten. Das füttern von Quellfutter einmal pro Woche ist ziemlich viel, wenn du nicht züchtest. Quell- und Keimfutter regen die Brutfähigkeit an, also vorsicht.
Im übrigen, hier mal meine Futterempfehlung für Quell und Keimfutter »
Keimfutter ist für Wellensittiche und andere Ziervögel wichtig, besonders wenn man Ziervögel züchtet.
Danke für die Tipps wie man Keimfutter selbst herstellen kann. Dadurch lässt sich bares Geld im Vergleich zum Futter aus der Tierhandlung sparen.
Fertiges Keimfutter kaufen ist zwar einfach,doch fressen meine Wellensittiche dieses überhaupt nicht. Es ist auch viel spannender die Körner beim keimen zu beobachten.