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Ein Tier unterm Weihnachtsbaum wirkt romantisch – ist aber in der Praxis oft der Start in Stress, Überforderung und Fehlentscheidungen. Denn ein Haustier ist kein „Geschenk“, sondern ein Lebewesen mit Bedürfnissen, Routinen und langfristigen Kosten. Wer das Thema richtig angeht, schützt nicht nur das Tier, sondern auch die Menschen, die Verantwortung übernehmen.
Auf einen Blick: Die wichtigsten Gründe
- Keine Überraschung: Tier und Mensch müssen zusammenpassen – das lässt sich nicht „einpacken“.
- Langfristige Verpflichtung: Zeit, Pflege, Urlaubslösungen und Tierarztkosten laufen über Jahre.
- Weihnachten ist Stresszeit: Lärm, Besuch, Silvester – schlechter Start für viele Tiere (auch für Vögel).
- Rechtliche Verantwortung: Wer ein Tier hält, muss es artgerecht versorgen und unterbringen.
Warum Tiere als Weihnachtsgeschenk so oft schiefgehen
1) Tiere sind keine Gegenstände
Ein Tier kann nicht „zurückgegeben“ werden wie ein falscher Pullover. Es braucht täglich Futter, Pflege, Beschäftigung, sichere Umgebung und verlässliche Routinen – unabhängig davon, ob die erste Begeisterung nachlässt.
2) Die Verantwortung endet nicht nach den Feiertagen
Viele unterschätzen, wie viel Zeit, Geduld und Geld Tierhaltung wirklich bedeutet. Genau deshalb warnen Tierschutz- und Behördenstellen regelmäßig davor, Tiere spontan zu verschenken.
Deutscher Tierschutzbund: „Tiere sind keine Weihnachtsgeschenke“
BMEL/BMLEH: „Keine Tiere unterm Weihnachtsbaum“

Ein Wellensittich vor festlicher Kulisse: Ein Haustier sollte nicht als Weihnachtsgeschenk spontan verschenkt werden.
3) Weihnachten ist für Tiere oft der ungünstigste Start
Hektik, Besuch, ungewohnte Geräusche, andere Tagesabläufe – viele Tiere reagieren darauf mit Stress. Besonders sensible Arten (z. B. Vögel) brauchen einen ruhigen, planbaren Start und eine stabile Umgebung.
4) Tier und Lebensstil müssen zusammenpassen
Alltag, Wohnsituation, Arbeitszeiten, Allergien, Kinderalter, Urlaubspläne – erst wenn diese Punkte geklärt sind, ergibt die Anschaffung Sinn. Genau deshalb sollte die Entscheidung immer bewusst von den Personen getroffen werden, die später wirklich Verantwortung tragen.
5) Rechtliche Pflichten: Tierhaltung ist Verantwortung
Wer ein Tier hält oder betreut, trägt Verantwortung für eine artgerechte Haltung, Pflege und Unterbringung. Das ist nicht nur ein moralisches Thema, sondern auch rechtlich geregelt:
Tierschutzgesetz § 2 – Pflichten bei der Tierhaltung
Wenn der Tierwunsch ernst ist: So wird daraus ein guter Plan
Ein „Nein zu Weihnachten“ bedeutet nicht „Nein zum Tier“. Es bedeutet: erst planen – dann entscheiden.
- 72-Stunden-Regel: Wunsch notieren, 3 Tage Abstand, dann erneut prüfen.
- Realitätscheck: Zeit pro Tag, Kosten pro Monat, Betreuung im Urlaub/bei Krankheit.
- Allergien & Umgebung: Testen (wenn möglich), Rückzugsorte, sichere Räume, Lärmquellen.
- Beratung: Tierheim, seriöse Pflegestellen oder verantwortungsvolle Züchter – Fragenliste mitnehmen.
- Erstausstattung & Tierarzt: Vor Einzug alles bereitstellen, vogelkundigen/kompetenten Tierarzt recherchieren.
Besonders wichtig bei Wellensittichen
Wellensittiche werden leider oft unterschätzt: Sie sind sozial, aktiv und sensibel. Ein „Start mitten in Weihnachten“ mit Trubel und später Silvester ist für viele Vögel unnötiger Stress.
- Keine Einzelhaltung als „Kinderüberraschung“: Wellensittiche brauchen Artgenossen und Platz.
- Eingewöhnung braucht Ruhe: Einzug besser nach den Feiertagen planen, wenn der Alltag stabil ist.
- Vorbereitung schlägt Spontankauf: Käfig/Einrichtung, Freiflug-Sicherheit, Futterplan, Tierarzt.
Wellensittich anschaffen: Vorbereitung & Checkliste
Wellensittich als Haustier für Kinder: Verantwortung & Tipps
Wellensittich Eingewöhnung: stressarm ankommen
Bessere Geschenkideen für Tierliebhaber
- Patenschaft/Spende: unterstützt Tiere direkt – ohne Überraschungsrisiko.
- Symbolischer Gutschein: „Gemeinsam Tierheim besuchen & beraten lassen“ (Termin nach Weihnachten).
- Wissen & Vorbereitung: Buch, Kurs, Erste-Hilfe-Info, Zubehör (nur wenn Tierart sicher feststeht).
Im Grunde gebe ich dem Autor vollkommen Recht. Ein Haustier als Weihnachtsgeschenk ist in vielen Fällen weder gut durchdacht, noch passend. Oftmals wird dem Tier auf Dauer dadurch eher geschadet.
Allerdings kann man das auch nicht verallgemeinern. Meinen ersten Wellensittich habe ich auch zu Weihnachten bekommen, wie ich es mir gewünscht hatte. In meinem Fall ist das ganze sehr gut ausgegangen. Mein Piepmatz hatte ein schönes Leben und es ging ihm immer gut. Allerdings hatte ich vorher bzw. parallel noch andere Haustiere und wusste, dass man einiges an Verantwortung aufbringen muss.
Ein solches Geschenk macht in meinen Augen nur dann Sinn, wenn die Familie sich tatsächlich auf das neue „Familienmitglied eingestellt hat, die Kinder alt genug sind, um Verantwortung zu übernehmen und die Eltern auch ein Auge darauf haben, dass das Tier gut versorgt ist.
Da kann ich Michael nur zustimmen. Ich möchte behaupte das 90% der Tiere die für Kinder gekauft werden, später bei den Eltern landen und wenn die kein interesse haben ist das Tier wirklich sehr schlecht dran!
Danke für diesen Artikel. Ich finde in diesem Bereich sollte noch viel mehr Aufklärung statt finden. Tiere sind keine Geschenke. Man muss sich klar sein das man für ein Tier genauso da sein muss wie für einen Menschen. Und das je nach Tier über Jahrzehnte. Und das gerade auch finanziell. Deswegen finde ich es auch falsch einem Kind ein Tier zu schenken. Sobald das Kind Älter wird verliert es das Interesse. Tiere sollte man immer sich als Familie anschaffen.
Ich finde diesen Artikel sehr gut, er zeigt eindeutig das der Mensch niemals Tiere als Geschenke bzw. Weihnachtsgeschenke kaufen sollte. Als ehrenamtlicher Mitarbeiter weiß ich nur zu gut, wie viele Tiere nach Weihnachten in Tierheim landen. Es ist einfach Schade, dass in Filmen immer die heile Welt und nicht die Realität gezeigt wird. Doch diese Wahrheit würde in der besinnlichen Weihmachtszeit vielen Menschen, neben den gesamten Spenden aufrufen, nur zusätzlich belasten.