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Legezwang bei Wellensittichen lässt sich häufig stoppen, indem du brutfördernde Reize reduzierst: kürzeres Tageslicht, keine Nistplätze, weniger energiereiches/eiweißreiches Futter, mehr Beschäftigung und ein ruhigerer Rhythmus. Entferne die Eier nicht sofort, da die Henne sonst nachlegen könnte. Besser ist es, die Eier kontrolliert ausbrüten zu lassen oder Attrappen einzusetzen. Wenn das Eierlegen trotz dieser Maßnahmen weitergeht oder die Henne schwächelt, ist ein vogelkundiger Tierarzt erforderlich (gegebenenfalls auch mit hormoneller Unterstützung).
Legezwang bei Wellensittichen: Was tun, wenn sie ständig Eier legt?
Ein Ei im Käfig ist erst einmal kein Weltuntergang, aber wenn sie ständig Eier legt, ist das ein Alarmzeichen. Legezwang bedeutet, dass der Körper immer wieder in den „Fortpflanzungsmodus“ schaltet, obwohl du gar nicht züchten möchtest. Das raubt Kalzium, Energie und Reserven und kann langfristig zu ernsthaften Folgeproblemen führen. Die gute Nachricht: In vielen Fällen kannst du den Bruttrieb mit einem klaren, konsequenten „Reset“ wieder unterbinden.
Die biologischen Hintergründe: Wann wird „Eier legen” krankhaft?
In der Natur legen Wellensittiche nur dann Eier, wenn die Bedingungen perfekt sind, beispielsweise nach der Regenzeit, wenn Nahrung im Überfluss vorhanden ist. Ein normales Gelege besteht aus etwa vier bis sechs Eiern. Danach folgt eine Brutphase und anschließend eine lange Ruhephase, in der sich der Hormonspiegel normalisiert und der Körper regeneriert. Beim Legezwang fehlt dieser „Aus-Schalter”. Die Henne produziert weiter Eier, oft mehr als zehn oder zwanzig am Stück, oder beginnt sofort nach dem ersten Gelege ein zweites und drittes. Da für jede Eierschale viel Kalzium aus den Knochen der Henne mobilisiert wird, führt dieser Zustand unweigerlich zu Osteoporose, Knochenbrüchen und völliger Entkräftung.
Warnsignale: So erkennst du das Problem
Achte nicht nur auf die Eier am Boden, sondern auch auf den Zustand der Henne.
- Häufiges Eierlegen: Mehr als zwei Gelege pro Jahr oder mehr als sechs Eier pro Serie.
- Veränderter Kot: Sogenannter „Brutkot” ist voluminöser und oft weicher (nicht zu verwechseln mit Durchfall).
- Kloakenbereich: Die Kloake wirkt geschwollen oder vorgewölbt.
- Verhalten: Die Henne sucht zwanghaft nach dunklen Ecken oder Höhlen und nagt Papier als Nistmaterial an.
Ursachenforschung: Warum hört sie nicht auf?
Um den Legezwang zu stoppen, müssen wir verstehen, was den Hormonhaushalt der Henne so stark stimuliert. Meist ist es eine Kombination aus „Wohlstandsproblemen” in der Heimtierhaltung.
Dein Wellensittich braucht jeden Tag 12–14 Stunden echte Ruhe im Dunkeln. Abends also Licht aus und keine lange „Wohnzimmer-Beleuchtung“.
Entferne alles, was wie ein Nest wirkt: Nistkasten, Kartons, Häuschen. Dunkle Ecken (z. B. hinter Möbeln) sollten nicht erreichbar sein.
Gib weniger „kräftiges“ Futter und weniger Leckerli (z. B. Kolbenhirse). Das hilft, den Bruttrieb zu senken.
Stell den Käfig oder die Einrichtung leicht um. So merkt die Henne: Hier ist gerade keine Zeit zum Brüten.
Legt sie immer wieder Eier, wirkt schlapp oder sind die Eierschalen sehr dünn, sollte ein vogelkundiger Tierarzt helfen.

Legezwang ist ein Notfall: Sitzt oder liegt der Vogel am Boden und wirkt schwach, sollte sofort ein vogelkundiger Tierarzt helfen.
14-Tage-Reset gegen Legezwang – Schritt für Schritt
Ziel: Deinem Wellensittich zeigen: Jetzt ist keine Brutzeit. Du gehst dabei konsequent vor – aber ohne extra Stress.
Tage 1–3: Alles entfernen, was „Brüten“ auslöst
- Nistplätze wegnehmen: Kein Nistkasten, keine Kartons, keine Körbchen, keine Papierberge, Subwoofer des Hifi-Systems. Auch dunkle Ecken unzugänglich machen.
- Freiflug sicher machen: Bereiche unter Sofa, Schrank oder Kommode absperren, damit sie dort nicht „nestet“.
- Kuscheln reduzieren: Nicht am Rücken oder unter den Flügeln kraulen – das kann den Bruttrieb verstärken.
- Käfig einfacher gestalten: Offener, übersichtlicher Aufbau ohne „Nest-Ecken“ (weniger Verstecke, weniger Höhlengefühl).
Tage 4–7: Licht und Ruhe fest einstellen
- Mehr Dunkelruhe: Jeden Tag 12–14 Stunden wirklich dunkel und ruhig (kein Fernseherlicht, keine Lampen, keine Störungen).
- Tagsüber normal aktiv: Helles Tageslicht ist okay – aber abends nicht lange Licht anlassen.
Tage 8–14: Futter leichter machen und Beschäftigung hochfahren
- Leckerli runterfahren: Kolbenhirse nur noch selten und gezielt, keine „Dauer-Hirse“.
- Eiweiß bremsen: Keimfutter/Eifutter und sehr eiweißreiches Futter erstmal weglassen oder stark reduzieren.
- Mehr Ablenkung: Futtersuche-Spiele (Futter verstecken), Knabberäste, Schredder-Spielzeug – damit der Fokus weg vom Nest geht.
- Mehr Bewegung: Sitzplätze so platzieren, dass sie fliegen und klettern muss (kleine „Kletterwege“ im Raum/Käfig).
Ernährung: Kalzium ist der Schlüssel
Während der Legephase verliert die Henne große Mengen Kalzium für die Bildung der Eierschalen. Ein einfacher Kalkstein reicht hierfür nicht aus.
- Besorge dir daher beim Tierarzt oder im Fachhandel flüssiges Kalzium, zum Beispiel Calcium-Frubiase oder spezielle Vogelpräparate.
- Vitamin D3: Kalzium kann vom Körper nur verwertet werden, wenn genügend Vitamin D vorhanden ist. Da Fensterscheiben das nötige UV-Licht filtern, brauchst du entweder eine spezielle UV-Vogellampe (z. B. Bird Lamp) oder ein Kombi-Präparat (Kalzium + D3).
- Stelle außerdem sicher, dass Magenkiesel zur Verfügung stehen, um die Verdauung zu unterstützen. Vermeide jedoch kalorienreiche Zusätze.
Häufiger Fehler: Eier wegnehmen oder liegen lassen?
Dies ist wohl die am häufigsten diskutierte Frage. Wenn du das Ei sofort wegnimmst, „denkt” die Henne, dass ihr Gelege unvollständig ist und sie muss nachlegen. Sie produziert sofort ein neues Ei. Das beschleunigt die Erschöpfung.
Die bessere Strategie ist es, die echten Eier gegen Kunsteier (Plastikeier) auszutauschen.
- Koche die echten Eier ab (oder entsorge sie) und lege Plastikattrappen hin.
- Lass die Henne auf den Plastikeiern brüten, bis sie das Interesse verliert (was oft nach drei bis vier Wochen der Fall ist).
- Das gibt ihr eine hormonelle Pause vom ständigen „Produzieren”.
- Erst wenn sie das Nest von selbst verlässt, entfernst du die Attrappen und die Nistgelegenheit.
Vorbeugung: So kommt es gar nicht erst soweit
Prävention ist besser als Behandlung. Wenn du keine Zuchtgenehmigung hast (und auch nicht züchten willst), solltest du deine Wellensittiche gar nicht erst in Versuchung führen.
- Biete keine Nistkästen an: Ein Wellensittich braucht kein „Schlafhäuschen”. Sie schlafen auf Ästen.
- Kein Spiegel: Ein Spiegel suggeriert einen Partner, der nie antwortet. Das kann zu Frustration und Fehlprägungen (Füttern des Spiegels) führen.
- Biete Abwechslung durch Schredder-Spielzeug (Korkröhren, frische Zweige). Ein beschäftigter Kopf denkt weniger ans Brüten. Achte aber darauf, dass die Korkröhren nicht als Höhle missbraucht werden (ggf. halbieren).
Häufig gestellte Fragen zur Legezwang
Fazit: Handeln statt Abwarten
Für deinen Wellensittich ist Legezwang kein „süßes Mutterglück“, sondern purer Stress und eine enorme körperliche Belastung. Wenn deine Henne ständig Eier legt, warte nicht darauf, dass es von allein aufhört. Die Kombination aus tierärztlicher Hilfe (Hormone/Kalzium) und konsequenter Anpassung der Haltung (Lichtreduktion, Futterumstellung, Entfernen von Höhlen) ist der einzige Weg, um den Hormonkreislauf zu durchbrechen. Handle jetzt, um das Leben deines Vogels zu schützen! Nächster Schritt für dich: Überprüfe sofort den Standort des Käfigs und das Futter deiner Henne. Hast du Nistmöglichkeiten oder zu fettreiches Futter entdeckt? Entferne diese umgehend und vereinbare einen Termin bei einem vogelkundigen Tierarzt, wenn das Eierlegen nicht stoppt.


