Artgerechte Wellensittich-Ernährung – einfach, gesund, alltagstauglich
Die artgerechte Ernährung von Wellensittichen ist die Basis für Vitalität, Gefiederqualität und ein langes Leben.
Dieser Leitfaden bündelt alles Wichtige für eine ausgewogene Fütterung: Er ist verständlich, praxisnah und wissenschaftlich fundiert und enthält einen Wochenplan, ein Gemüse-ABC, eine Anleitung für Keimfutter, eine Tabu-Liste und Checklisten für den Alltag. In wenigen Minuten erfährst du, welche Nahrungsmittel in den Napf gehören, wie du Portionen sicher dosierst und typische Fehler vermeidest – für mehr Gesundheit und Lebensfreude deiner Wellensittiche.
Grundprinzipien der Fütterung
Eine ausgewogene Fütterung folgt klaren Leitlinien, bleibt aber alltagstauglich flexibel. Im Mittelpunkt stehen eine hochwertige, zuckerfreie Saatenbasis, täglich frisches Blattgrün und konsequente Sauberkeit. Neben der Auswahl der Nahrung sind auch Regelmäßigkeit, Frische und passende Mengen wichtig. Die folgenden Grundprinzipien bündeln dieses Vorgehen und helfen dabei, typische Fehler wie überenergiereiche Mischungen, ungeeignete Leckerbissen oder mangelnde Wasserhygiene zu vermeiden.
Bedürfnisorientiert
Die Ernährung wird anhand verschiedener Faktoren individuell angepasst, darunter die Aktivität, die Jahreszeit, der Gesundheitszustand und das individuelle Gewicht.
Nährstoffvielfalt statt Zucker
Der Fokus sollte auf mineral- und ballaststoffreichem Gemüse und Kräutern sowie auf vielfältigen Saaten liegen, während zuckerhaltige Lebensmittel vermieden werden sollten.
Routine & Flexibilität
Ein konstanter Tagesrhythmus ist wichtig, wobei die Frischkost je nach Saison variiert. Im Sommer eignen sich zum Beispiel wasserreiche Sorten wie Gurken oder Zucchini sowie Blattsalate.
Transparenz
Lies die Zutatenlisten aufmerksam und bevorzuge Mischungen, die keinen Honig, keinen Zucker und keine Farb- oder Aromastoffe enthalten.
Hygiene-Standard
Reinige das Wasser und die Näpfe täglich und entferne die Reste von Frischkost nach spätestens zwei bis drei Stunden.
Portionsdisziplin
Starte pro Vogel und Fütterung mit etwa einem bis eineinhalb Teelöffeln Saatenmischung. Wiege wöchentlich morgens und passe die Menge bei Zu- oder Abnahme gezielt an.
Die ideale Futtermenge für Wellensittiche hängt stark von ihrer Aktivität, ihrer Haltung und der Zusammensetzung des Futters ab. Entscheidend ist nicht die genaue Grammzahl, sondern dass die Tiere ständig Zugang zu hochwertigem Futter, Sauberkeit und Abwechslung haben. So bleiben deine Wellensittiche gesund, vital und munter.
Saatenmischungen die solide Grundlage für die Ernährung von Wellensittichen
Die tägliche Ernährung von Wellensittichen basiert auf einer artenangepassten Saatenmischung, die ausdrücklich für diese Vogelart deklariert ist. Bewährt haben sich Mischungen mit mehreren Hirsesorten (z. B. gelb, rot und weiß) sowie Kanariensaat und Glanz als Hauptbestandteile. Kleine Anteile Haferkerne können je nach Aktivität der Vögel sinnvoll sein, müssen aber nicht zwingend enthalten sein.
Die richtige Futterzusammensetzung für Wellensittiche
Saatenmischung in %
Wenn du eine ausgewogene Mischung zusammenstellen möchtest, kannst du dich an folgender einfacher Zusammensetzung orientieren: 45 % entfallen auf Hirsearten wie Platahirse und Japanhirse, die das Herzstück bilden. Dazu kommen 25 % Silberhirse für mehr Vielfalt und 10 % Spitz- bzw. Glanzsaat als stabile Basis.
Haferkerne liefern mit 10 % etwas Extra-Energie, während Grassamen mit 5 % die Mischung „naturnäher“ abrunden. Die letzten 5 % sind Ölsaaten, die du bitte sparsam dosieren solltest, da sie sehr energiereich sind und eher als kleiner Booster verstanden werden sollten. So bleibt das Futter abwechslungsreich, nährstoffreich und alltagstauglich.
Gemüse & Kräuter als Nährstofflieferanten
Frischfutter – täglich abwechslungsreich
Frischfutter ergänzt die Basis aus Saaten um Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Der Fokus liegt auf blattreichem Gemüse und aromatischen Kräutern, während Obst nur gelegentlich als Abrundung dient. Vielfalt und eine saisonale Auswahl fördern eine ausgewogene Ernährung.
Sepiaschale, Mineralstein & Grit
Mineralien – die stabile Basis
Mineralquellen wie Sepiaschale, Mineralstein und feiner Grit sind wichtig für einen stabilen Knochenbau, ein intaktes Gefieder und eine funktionierende Verdauung. Eine ausgewogene Mineralversorgung unterstützt Stoffwechselprozesse und fördert die langfristige Vitalität.
Saisonale Empfehlungen für die Ernährung von Wellensittichen
Frühling
- Aktivität steigt: Futtermenge moderat an Bewegung anpassen; Hirse weiterhin als Leckerli.
- Saisonale Kräuter neu einführen: Langsam antesten, Verträglichkeit beobachten.
- Außenluft/UV (falls möglich): Unterstützt Vitaminhaushalt; Zugluft vermeiden.
Sommer
- Wasserhygiene hochfahren: Näpfe 2× täglich spülen, Wasser ggf. mittags wechseln.
- Frischkost mit viel Wasser, aber kurz anbieten: Gurke, Zucchini, Römersalat; Reste nach 1–2 Std. entfernen.
- Hitzemanagement: Keimfutter kleiner portionieren (höheres Verderbrisiko), Badewasser bereitstellen.
- Energiebedarf meist niedriger: Leckerli reduzieren, Gewicht im Blick behalten.
Herbst
- Langsam umstellen: Frischkostvielfalt beibehalten, aber Portionen an kühleren Tagen etwas kleiner.
- Immunsupport über Kräuter: Dill, Petersilie (in Maßen), Koriander, Vogelmiere.
- Keimfutter regelmäßig (2–3×/Woche): Für Vitamine/Enzyme und stabile Ernährung bei Wetterwechseln.
Winter
- Blattgemüse & Kräuter fokussieren: Chinakohl, Feldsalat, Brokkoliblätter, Basilikum.
- Feuchtigkeit ausgleichen: Ausreichend Trinkwasser; Näpfe nicht in Heizungsnähe platzieren.
- Keimfutter als Mikronährstoff-Boost: 2–3×/Woche, streng hygienisch; kleine Portionen.
- Energie im Rahmen halten: Kein „Winterspeck“ nötig in Wohnungshaltung.
Mauserzeiten (ganzjährig möglich)
- Mehr Bedarf an Aminosäuren & Mineralien: Keimfutter ggf. 3–4×/Woche in kleinen Portionen.
- Eifutter nur kurzzeitig & maßvoll, wenn nötig (z. B. Rekonvaleszenz).
- Hydrierung & Hygiene priorisieren: Frischkost/Reste zügig entfernen; Wasser täglich frisch.
Warnhinweise saisonübergreifend
- Verderb vermeiden: Bei Wärme Frischkost und Keimfutter früher entsorgen.
- Gewichtskontrolle wöchentlich: Futterfeinjustierung nach Aktivität/Jahreszeit.
- Kein Zuckerzusatz: Honig-/Zuckerprodukte und stark gesalzene/gewürzte Speisen meiden.
Häufige Fehler bei der Fütterung
- Obst statt Gemüse: Obst nur als seltene Ergänzung; Schwerpunkt auf Gemüse/Kräuter.
- Dauerhaft Vitaminpräparate: Risiko von Überversorgung – gezielt, zeitlich begrenzt einsetzen.
- „Keimfutter macht sofort Brutlaune“: Kontextabhängig; moderate Gabe mit Lichtmanagement ist unproblematisch.

Wochenplan zur Fütterung
| Tag | Frischkost | Extra | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Montag | Gurke & Stangensellerie | Mineralien-Check (Sepia anrauen, Grit auffrischen) | Leicht, wasserreich; Reste nach 2–3 Std. entfernen |
| Dienstag | Karotte & Chinakohl | Keimfutter (frisch, streng hygienisch) | Keime kühl abspülen, Reste zügig entsorgen |
| Mittwoch | Paprika & Vogelmiere | Kräuter-/Gräserbündel (z. B. Basilikum, Dill) | Bündel sauber befestigen, nicht verschmutzen lassen |
| Donnerstag | Zucchini & Romanasalat | Hirse | Leckerli ersetzt nicht die Körnerbasis |
| Freitag | Brokkoli & Petersilie | Keimfutter (2. Keimtag der Woche) | Petersilie nur in Maßen geben |
| Samstag | Fenchel & Feldsalat | Wasserhygiene-Plus (heiß reinigen, ggf. Mittagswechsel) | Besonders im Sommer sinnvoll |
| Sonntag | Kräutermix (Basilikum, Dill) | Keimfutter ODER Eifutter | Keimfutter; Eifutter nur kurzzeitig bei Mauser/Erholung/Zucht |


