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Viele Halter sind verunsichert: Meldungen zur Vogelgrippe (aviäre Influenza / Geflügelpest) tauchen jedes Jahr erneut auf. Die Angst, dass die Krankheit auf die eigenen Wellensittiche übergreifen könnte, ist verständlich – besonders bei Außenhaltung. Dieser Beitrag zeigt dir, wie groß das reale Risiko ist, wie Stallpflicht-Regelungen zu verstehen sind und welche Maßnahmen für Wohnungshaltung und Außenvolieren wirklich sinnvoll sind.
Was ist die Vogelgrippe überhaupt?
Unter der umgangssprachlichen „Vogelgrippe“ versteht man Infektionen mit Influenza-A-Viren (z. B. H5N1), die bei Vögeln auftreten können. Die gefährliche Form wird „hochpathogene aviäre Influenza“ (HPAI) genannt. Sie betrifft vor allem Wassergeflügel, Möwen und Hausgeflügel. Ziervögel wie Wellensittiche können sich ebenfalls anstecken, jedoch ist dieses Risiko deutlich geringer – insbesondere bei reiner Wohnungshaltung.
Aktuelle und wissenschaftlich gesicherte Informationen liefert das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) .
Vogelgrippe-Trend 2025: Daten für Wellensittich-Halter
122 Ausbrüche in Deutschland bis 11.11.2025
Nach Angaben des FLI wurden bis 11.11.2025 **122 Ausbrüche bei Geflügelbetrieben** in Deutschland gemeldet – damit der höchste Stand seit drei Jahren.
1.125 Wildvogel-Infektionen gemeldet
Im gleichen Zeitraum wurden **1.125 Infektionen bei Wildvögeln** registriert – mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr.
Risikobewertung auf „hoch“ gesetzt
Das FLI stufte das Risiko für Geflügelhaltungen auf „hoch“ und für Wildvögel auf „hoch“ ein – eine deutliche Erhöhung.
Mehr als 400.000 Tiere gekeult
In Deutschland wurden bereits über **400.000 Nutz- bzw. Geflügeltiere** gekeult, um weitere Ausbreitung zu verhindern.
22 europäische Länder betroffen
Bis heute wurden in Europa **in 22 Ländern** Ausbrüche der hochpathogenen aviären Influenza (HPAI) gemeldet.
Virus überlebt Wochen im Umfeld
Das Virus kann auf Federn, Einstreu, Wasser oder Erde mehrere Tage bis Wochen überleben – ein indirekter Übertragungsweg.
Keine bestätigten Mensch-Fälle in Deutschland
Bisher sind in Deutschland **keine humanen Erkrankungen** durch HPAI offiziell bestätigt worden – dennoch gilt: Hygienemaßnahmen einhalten.
Außenhaltung = erhöhtes Risiko
Experten sehen bei Außenvolieren oder Gartenfreiflug ein deutlich höheres Risiko für Übertragung – Innenhaltung gilt als vergleichsweise sicher.

Karte: HPAI H5-Fälle in Europa, Stand 30.10.2025
Was bedeutet „Stallpflicht für Geflügelhalter“?
Bei Ausbrüchen ordnen Behörden meist eine Stallpflicht an. Diese gilt in definierten Gebieten und verpflichtet Geflügelhalter dazu, ihre Tiere in geschlossenen Ställen oder unter Schutznetzen zu halten. Die Regelung zielt in erster Linie auf Nutzgeflügel ab – Hühner, Gänse, Puten, Enten.
Für Wellensittiche bedeutet das:
- Reine Wohnungshaltung ist nicht betroffen.
- Außenvolieren können unter die Stallpflicht fallen, wenn dein Landkreis „gehaltene Vögel“ mit einschließt.
- Der genaue Wortlaut der Allgemeinverfügung ist entscheidend – im Zweifel beim Veterinäramt nachfragen.
Einen offiziellen Überblick zu Ausbruchszonen bietet das BMEL: BMEL – Geflügelpest .
Wie gefährlich ist Vogelgrippe für Wellensittiche?
Das hängt stark von deiner Haltung ab:
- Wohnungshaltung = sehr geringes Risiko
- Außenvoliere / Balkonvoliere = moderates Risiko
- Gartenfreiflug = erhöhtes Risiko wegen Kontakt zu Wildvögeln
Ein entscheidender Punkt: Die meisten Infektionen entstehen nicht durch die Luft, sondern über kontaminierten Kot, Einstreu, Wasser oder Futter.
Wohnungshaltung: Was darf man – und was sollte man vermeiden?
Wer seine Wellensittiche ausschließlich drinnen hält, hat die beste Ausgangssituation. Die Tiere haben keinen Kontakt zu Wildvögeln, kein Risiko durch Außenwasser und keinen Kontakt zu Vogelkot.
Was du bedenkenlos machen darfst
- Gewohnten Freiflug im Zimmer beibehalten.
- Käfig & Umgebung normal reinigen (siehe Haltung und Pflege).
- Zubehör, Futter und Einstreu im Innenraum sauber lagern.
- Tierarztbesuche wie gewohnt wahrnehmen.
Was du lieber vermeiden solltest
- Wellensittiche unbeaufsichtigt auf dem Balkon stehen lassen.
- Außen gelagerte Futtersäcke oder Einstreu ohne Kontrolle in die Wohnung holen.
- Vogelbörsen oder Ausstellungen besuchen, wenn die Geflügelpest-Lage angespannt ist.
Außenhaltung: Worauf Halter besonders achten müssen
Eine Außenvoliere ist grundsätzlich wunderschön – aber sie bedeutet auch Kontaktmöglichkeiten zu Wildvögeln. Genau hier entsteht das Risiko.
Was du unbedingt tun solltest
- Voliere so absichern, dass kein Wildvogel hineinfliegen kann (Dach, Gitter, Plexi-Schutz).
- Futter und Wasser ausschließlich im geschützten Innenbereich anbieten.
- Regelmäßig gründlich reinigen.
- Eigene Schuhe/Kleidung für den Volierenbereich benutzen.
- Gesundheitszustand deiner Vögel beobachten – weiterführende Infos unter Gesundheit & Krankheit.

Überdachte Außenvoliere mit Teich und dichter Bepflanzung – guter Schutz, solange Wildvogelkot und Außenkontakt zuverlässig abgehalten werden.
Dinge, die du vermeiden solltest
- Außenvolieren in direkter Nähe zu Gewässern oder Rastplätzen von Wildvögeln.
- Freiflug im Garten während offizieller Geflügelpestwarnungen.
- Wildvögel durch Futterstellen in Volierennähe anlocken.
- Neue Vögel ohne Quarantäne eingliedern (Eingewöhnung & Quarantäne).
Hygiene & Biosicherheit: Die wichtigsten Maßnahmen für Halter
Diese Punkte gelten unabhängig von der Haltungsform und reduzieren das Risiko für deine Wellensittiche deutlich:
- Hände gründlich waschen vor und nach dem Kontakt mit den Vögeln.
- Straßenschuhe in der Wohnung immer ausziehen: Auf Schuhsohlen können Viren, Bakterien oder Wildvogelkot haften. Wer in Innenräumen Sittiche hält, sollte konsequent ohne Straßenschuhe den Wohnbereich betreten.
- Separate Schuhe oder CPE-Überzieher für Außenvolieren: Bei Außenhaltungen empfiehlt sich ein eigenes Paar „Voliere-Schuhe“ oder praktische CPE-Einweg-Schuhüberzieher, um keinen Erreger von draußen in die Voliere zu tragen.37%11,97 €7,57 €(Stand von: 12. Januar 2026 14:49 - Details)Verkäufer: PURAWERK GmbHBei Amazon ansehen *(* = Affiliate-Link / Bildquelle: Amazon-Partnerprogramm)
- Saubere Lagerung von Futter, Einstreu und Zubehör – geschützt vor Wildvögeln und Feuchtigkeit.
- Regelmäßige Reinigung von Sitzstangen, Gittern, Näpfen und Böden, bei Außenvolieren häufiger als in Innenhaltung.
- Kein Kontakt zu Wildvögeln: Keine offenen Wasserstellen, keine Futterreste im Außenbereich, Voliere vollständig sichern.
- Trinkwasser täglich wechseln und Gefäße gründlich ausspülen.
Was tun bei Verdacht?
- Tier sofort beobachten.
- Bei Apathie, Atemnot, neurologischen Ausfällen: sofort vogelkundigen Tierarzt kontaktieren.
- Tote Wildvögel nicht anfassen – Fundstelle der Behörde melden.
- Aktuelle Lage beim FLI oder Landkreis prüfen.
FAQ: Vogelgrippe bei Wellensittichen
Fazit: Gut informiert – gut geschützt
Die Vogelgrippe ist für Geflügelhalter ernst, für Wellensittiche jedoch selten ein direktes Problem. Mit guter Hygiene, klaren Sicherheitsmaßnahmen und dem Vermeiden von Wildvogelkontakt schützt du deine Tiere zuverlässig. Reine Wohnungshaltung ist besonders sicher; Außenvolieren sollten bei hoher Geflügelpestlage zusätzlich geschützt werden.
