Wellensittich Temperatur

Wellensittiche wirken oft „robust“ – bis Hitze, Zugluft oder schnelle Temperaturwechsel plötzlich zum Problem werden. Wer den Wohlfühlbereich kennt und typische Hitzefallen sowie Kälterisiken vermeidet, schützt nicht nur vor Stress, sondern oft auch vor Tierarztbesuchen.

Die Bedeutung der Temperatur: Mehr als nur eine Zahl

So sehr sich der Vogelhalter auch anstrengt, kann es vorkommen, dass du unbewusst deinen Wellensittichen Schaden zufügst – und das nur, weil die Wohlfühltemperatur nicht gehalten wird. Wellensittiche sind zwar an das raue Klima Australiens angepasst, doch unsere domestizierten Vögel reagieren empfindlicher als ihre wilden Verwandten.

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Die Kontrolle der Temperatur ist deshalb kein Luxus, sondern eine lebenswichtige Maßnahme. Vögel besitzen keine Schweißdrüsen; sie regulieren ihre Körperwärme über die Atmung und das Gefieder. Ein falsches Raumklima führt schnell zu schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen, von Atemwegsinfekten bis hin zum Herz-Kreislauf-Kollaps – bei extremer Hitze droht sogar ein Hitzschlag.

Praxis-Tipp: Ein digitales Thermometer (am besten kombiniert mit Hygrometer) auf Käfighöhe zeigt dir das „echte“ Mikroklima. Direkt am Fenster, über dem Heizkörper oder in Raumecken können mehrere Grad Unterschied entstehen – obwohl das Raumthermometer „passt“.

Der ideale Toleranzbereich

Wie bereits erwähnt, liegt die Spanne, in der sich Wellensittiche physiologisch wohlfühlen und aktiv sind, zwischen 10 und 26 Grad Celsius.

  • Tagsüber (Aktivitätsphase): Hier sind Werte im oberen Bereich (ca. 18–26 °C) ideal für die Innenhaltung.
  • Nachts (Ruhephase): Eine leichte Absenkung ist natürlich, solange die Grenze von 10 °C in der Wohnung nicht dauerhaft unterschritten wird.

Wichtiger als die exakte Gradzahl auf dem Thermometer ist die Konstanz. Ein Wellensittichkörper muss Schwerstarbeit leisten, wenn sich die Bedingungen schlagartig ändern. Besonders tückisch: Der Käfig steht scheinbar „neutral“, doch kalte Luft fällt am Fenster nach unten oder warme Luft staut sich unter der Decke. Ein Standort ohne Durchzug und ohne pralle Sonne ist deshalb die halbe Miete.

Wenn die Temperatur schwankt: Die unsichtbare Gefahr

Die Raumtemperatur ist entscheidend für das Wohlbefinden deiner Wellensittiche. Zu große Temperaturschwankungen können eine akute Gefahr für deinen Vogel sein.

Kälteschock und Zugluft

Erkältungen können bei plötzlich niedrigen Temperaturen auftreten. Dies geschieht häufig beim zu langen Lüften im Winter. Wenn eiskalte Außenluft auf die warme Zimmerluft trifft und der Käfig im Luftstrom steht, bricht der natürliche Kälteschutz des Gefieders zusammen.

Wellensittich plustert das Gefieder zur Wärmeregulierung bei kühler Temperatur auf

Aufgeplustertes Gefieder bildet ein wärmendes Luftpolster – ein typisches Zeichen, dass dem Wellensittich kühl ist.

Merksatz: Nicht die kühle Luft an sich ist das Hauptproblem – sondern Zugluft und der schnelle Wechsel. Ein „Kippfenster“ sorgt oft für dauerhaften Luftzug, ohne den Raum wirklich gut zu lüften. So geht’s sicher und praktisch: Lüften & Durchzug vermeiden.

So lüftest du richtig:
Statt das Fenster dauerhaft auf „Kipp“ zu stellen (was wenig Luftaustausch, aber viel Auskühlung bringt), nutze das Stoßlüften. Decke die Vögel ab oder bringe sie kurz in einen anderen Raum, öffne das Fenster für 5–10 Minuten komplett und schließe es wieder, bevor die Vögel zurückkehren.

Hitzestau

Das Ansteigen der Temperatur, vor allem bei direkter Sonneneinstrahlung durch Fensterscheiben, kann lebensbedrohlich sein. Ein Käfig ohne Schattenplatz wird im Sommer zur Todesfalle. Ab 26–28 °C beginnt der Hitzestress – und im Extremfall ein Hitzschlag. Dein Vogel muss immer langsam an eine neue Temperatur gewöhnt werden, damit er keine Krankheit erleidet oder einen Kreislaufkollaps bekommt.

Praxis-Tipp: Stelle den Käfig im Sommer nie so, dass die Sonne „wandert“ und später doch aufs Gitter fällt. Sicherer sind feste Schattenplätze oder ein Rollo/Vorhang, der zuverlässig die direkte Strahlung blockt. Ventilatoren niemals direkt auf den Käfig richten – das erzeugt Zugluft und trocknet die Schleimhäute aus.

Merkmale des Wohlbefindens erkennen

Woher weißt du, ob das Thermometer stimmt? Deine Vögel zeigen es dir durch ihre Körpersprache sehr deutlich.

Anzeichen für Unterkühlung (Zu kalt)

Ist es deinen Wellensittichen zu kalt, so sitzen sie mit aufgeplusterten Federn auf der Stange. Sie versuchen, ein Luftpolster zwischen den Federn zu schaffen, das als Isolierung dient (ähnlich einer Daunenjacke).
Handlung: Du solltest das Thermostat etwas nach oben drehen und prüfen, ob Zugluft herrscht.

Zusatz-Check: Sitzt der Vogel tagsüber lange „kugelig“, wirkt teilnahmslos oder schläft ungewöhnlich viel, ist das ein Warnsignal. Dann nicht nur wärmer stellen, sondern auch Ursachen suchen (Fensterspalt, Türzug, kalte Außenwand, feuchte Luft).

Wie verbringen deine Wellensittiche den Winter?

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Anzeichen für Überhitzung (Zu heiß)

Sollte dein Vogel mit ausgestreckten Flügeln, hechelnd und mit weit geöffnetem Schnabel auf der Stange sitzen, ist es viel zu heiß. Da Vögel nicht schwitzen, versuchen sie so, Körperwärme abzugeben. Hecheln und Flügel abspreizen gelten als typische Warnzeichen.
Handlung: Sofort für Schatten sorgen, lauwarme Badegelegenheiten anbieten und feuchte Tücher in der Nähe (nicht auf!) dem Käfig aufhängen, um durch Verdunstungskälte die Temperatur zu senken.

Wichtig: Keine eiskalten „Schockmaßnahmen“. Kühles Wasser direkt über den Vogel oder kalte Luftstöße können Stress und Kreislaufprobleme auslösen. Besser: ruhig, schattig, indirekt kühler – und immer frisches Wasser bereitstellen.

Im Winter draußen halten? Voraussetzungen und Technik

Viele Halter fragen sich: „Kann mein Wellensittich im Winter draußen bleiben?“
Die Antwort lautet: Ja, aber nur unter strikten Bedingungen. Wellensittiche sind äußerst robust und können im Winter draußen gehalten werden, sofern sie akklimatisiert sind.

Zwei Wellensittiche in der winterlichen Außenvoliere am Schutzhaus bei niedriger Temperatur

Im Winter suchen Wellensittiche den geschützten Bereich der Außenvoliere auf – ein isoliertes Schutzhaus hilft, Temperatur und Zugluft besser zu kontrollieren.

Die goldene Regel der Akklimatisierung

Eine Überwinterung im Freien ist nur dann möglich, wenn die Vögel ständig draußen sind – idealerweise schon ab dem Spätsommer. Ihr Organismus muss sich langsam an die sinkenden Grade gewöhnen und ein dichteres Untergefieder bilden.
Die Vögel sollten niemals aus der warmen Wohnung plötzlich in die kalte Außenvoliere gesperrt werden. Der Temperaturschock wäre tödlich. Es ist wichtig, die Temperatur schrittweise zu senken (natürlicher Jahresverlauf).

Isolierung der Voliere

Sobald die Temperaturen den Gefrierpunkt ansteuern, musst du handeln. Du kannst den Maschendraht deiner Außenvoliere mit Schilfrohrmatten oder Doppelstegplatten isolieren, um eisigen Wind abzuhalten.

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Praxis-Tipp: Du solltest die Matten so befestigen, dass du diese auch schnell mal entfernen kannst. Vor allem, wenn die Wintersonne mal direkt auf deine Volieren scheint, tut den Vögel das natürliche UV-Licht und die Wärme gut.

Das Schutzhaus: Der wichtigste Rückzugsort

Ein bloßer Windschutz reicht bei Minusgraden nicht aus. Beim Bau der Außenvoliere muss zwingend ein isolierter Schutzraum eingeplant werden – das entspricht auch gängigen Tierschutz-Hinweisen zur Haltung von Kleinvögeln.

Temperaturvorgaben für das Schutzhaus

Die Temperatur innerhalb des Schutzraumes sollte nicht unter 6 Grad Celsius fallen. Dies ist die Sicherheitsgrenze, um Erfrierungen an den unbefiederten Füßen zu verhindern und den Stoffwechsel nicht zu überlasten.

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Bauweise und Feuchtigkeit

Die Isolierung des Raumes (z.B. durch doppelte Wände mit Styropor dazwischen) hilft zudem, dass die Luftfeuchtigkeit in der Voliere gehalten wird. Trockene Heizungsluft ist ebenso schädlich wie klirrende Kälte. Eine zusätzliche Heizquelle ist nur nötig, wenn der Gefrierpunkt im Schutzhaus erreicht würde oder die 6-Grad-Marke unterschritten wird.

Praxis-Upgrade: Plane im Schutzhaus eine Ecke mit „wärmerem“ Mikroklima (z.B. in der Nähe der Wärmequelle) und eine neutralere Zone. So können die Wellensittiche selbst wählen, was ihnen guttut – das ist oft besser als eine starre Einheits-Temperatur.

Zudem kannst du den Schutzraum mit einem Frostwächter, einer Wärmelampe (Dunkelstrahler bevorzugt, um den Schlafrhythmus nicht zu stören) oder einer Infrarotheizung ausstatten.

Wichtig: Das Trinkwasser

In ungeheizten Bereichen gefriert Wasser im Winter binnen kurzer Zeit. Ein beheizbarer Tränkenwärmer ist essenziell, damit das Trinkwasser nicht gefriert und die Vögel nicht verdursten.

Checkliste: Tipps für die Winterhaltung

Hier noch einige zusammenfassende Tipps für die sichere Winterhaltung von Wellensittichen:

  • Regelmäßige Kontrolle: Überprüfe regelmäßig (täglich!) die Voliere und das Schutzhaus auf Schäden, Kältebrücken oder defekte Heizungen.
  • Hygiene & Versorgung: Sorge für ausreichend frisches Wasser und sauberes Futter. Bei Kälte benötigen Vögel energiereicheres Futter (mehr Ölsaaten), um ihren Wärmehaushalt zu decken.
  • Trockenheit: Halte die Voliere sauber und trocken. Nässe in Kombination mit Kälte ist der sicherste Weg zu einer Lungenentzündung.
  • Beobachtung: Wenn du dir unsicher bist, ob deine Wellensittiche den Winter draußen gut überstehen werden (z.B. weil sie sich weniger bewegen oder krank wirken), kannst du sie auch im Haus halten. Sicherheit geht vor.

Besondere Vorsicht: Ausnahmen und Risikogruppen

Obwohl die meisten Sittiche sich an das europäische Klima und die Temperaturen gewöhnt haben, gibt es Ausnahmen. Eine solche Ausnahme sind Glanzsittiche. Diese Arten sind oft empfindlicher und benötigen höhere Mindesttemperaturen.

Generell gilt:

  1. Alte Vögel: Tiere mit Arthrose leiden bei Kälte stärker unter Schmerzen. Sie gehören ins Warme.
  2. Kranke Vögel: Ein kranker Vogel verbraucht seine Energie für die Heilung, nicht zum Wärmen. Er benötigt oft eine Wärmelampe und Temperaturen um 26–30 °C (Krankenbox).

Wichtig dabei: Wärme immer so anbieten, dass der Vogel ausweichen kann. Zu viel Wärme ohne Rückzugsoption kann genauso gefährlich sein wie zu wenig – gerade bei geschwächten Tieren, die ihre Körpertemperatur schlechter regulieren.

Du solltest immer darauf achten, dass die Tiere weder überhitzen noch unterkühlen.

Häufige Fragen

Die absolute Untergrenze für gesunde, an Außenhaltung gewöhnte Wellensittiche liegt im zugfreien Schutzhaus bei etwa 6 °C. Fallen die Werte tiefer oder kommt Nässe/Zugluft hinzu, steigt das Risiko für Unterkühlung und Erfrierungen an den Füßen deutlich. Für Wohnungsvögel sollte die Temperatur dauerhaft nicht unter 10–12 °C sinken.
Für Wohnungsvögel: Nein. Der Sprung von warmer Heizungsluft (oft um 20 °C) in kalte Winterluft ist zu abrupt und belastet Kreislauf und Atemwege. Nur Wellensittiche, die seit dem Spätsommer draußen leben und langsam akklimatisiert wurden, dürfen im Winter in einer geeigneten Außenanlage bleiben – mit frostfreiem Schutzraum.
Typische Warnzeichen sind starkes Aufplustern (Kugelform), Zittern, Inaktivität sowie das Verstecken des Kopfes im Rückengefieder auch tagsüber. Wirkt der Vogel apathisch oder sitzt dauerhaft aufgeplustert, sollte er langsam in eine wärmere, zugfreie Umgebung gebracht werden – bei Unsicherheit tierärztlich abklären.
Bewährt sind Dunkelstrahler (Keramikstrahler) oder Frostwächter, weil sie Wärme liefern, ohne helles Licht abzugeben – so bleibt der Schlaf-Wach-Rhythmus stabil. Tabu sind offene Heizdrähte, Gasheizer oder unsichere Provisorien wegen Brand- und Vergiftungsgefahr. Wichtig: Wärmequellen immer so platzieren, dass die Vögel ausweichen können.
Wellensittiche wärmen sich über ein Luftpolster im Gefieder. Zugluft bläst dieses Polster weg und kühlt den Körper punktuell und sehr schnell aus – oft schneller als die reine Raum-Temperatur vermuten lässt. Das erhöht das Risiko für Atemwegsprobleme deutlich, selbst wenn die Temperatur eigentlich „warm genug“ wirkt.

Fazit: Die richtige Temperatur für ein langes Leben

Die passende Temperatur ist entscheidend, damit deine Wellensittiche gesund bleiben. Zwar sind die Vögel aus Australien ziemlich robust, aber als Halter bist du dafür verantwortlich, sie vor extremer Hitze oder Kälte zu schützen.

Es kommt dabei gar nicht so sehr auf die genaue Zahl am Thermometer an. Viel wichtiger ist, dass du versteckte Gefahren vermeidest: Zugluft, kalten Boden oder Stauhitze hinter der Fensterscheibe. Egal ob mit einem warmen Schutzhaus im Garten oder einem schattigen Platz im Wohnzimmer – wenn du aufmerksam bist, fühlen sich deine Vögel pudelwohl.

Die 3 wichtigsten Regeln für die Temperatur:

  • In der Wohnung: Versuche, konstante 18–22 °C zu halten. Lüfte immer kurz und kräftig (Stoßlüften), ohne dass es zieht.
  • Draußen: Das Schutzhaus muss unbedingt trocken und frostfrei sein (mindestens 6 °C).
  • Beobachten: Wenn sich dein Vogel aufplustert (zu kalt) oder hechelt (zu warm), ist das ein Alarmzeichen: Du musst sofort handeln.

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Vögel sind meine Leidenschaft: Schon seit Kindheitstagen ist mein Leben eng mit Wellensittichen verbunden. Mittlerweile bereichern auch andere australische Sittiche meinen Alltag. Als aktives Mitglied der AZ e. V. teile ich hier fundiertes Praxiswissen für eine Haltung, bei der das Tierwohl an erster Stelle steht. Dieses Projekt betreibe ich mit viel Herzblut – unabhängig, ehrlich und zur Kostendeckung finanziert durch *Affiliate-Links und Werbung.

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    Nadine 19. Juni 2021 at 17:18 - Reply

    Hallo, ihr haben gerade ziemlich heiße Tage und mittlerweile 26 Grad im Zimmer. Haben einen Dyson angeschafft, der die Luft reinigt und umwälzt/bewegt. Bei welchem Temperaturen im Zimmer wird es denn kritisch? Biete Wasser zum Baden an. In Aussenvolieren kann es sicher auch mal locker 30 Grad haben. Leider haben wir keine Möglichkeit, den Geiern einen anderen Platz in der Wohnung anzubieten, da es überall gleich warm ist.