
Bei Legenot musst du deinen Vogel sofort warm, ruhig und leicht feucht halten, Stress minimieren und umgehend einen vogelkundigen Tierarzt kontaktieren oder direkt hinfahren. Es darf nicht gedrückt oder massiert werden, es darf kein Öl verwendet werden und es darf keine Manipulation an der Kloake vorgenommen werden. Legenot kann schnell lebensbedrohlich werden – hier zählt jede Minute.
Ursachen: Warum kommt es zur Legenot?
Als Legenot (Dystokie) bezeichnet man das Unvermögen eines weiblichen Wellensittichs, ein vollständig oder teilweise gebildetes Ei aus dem Legedarm zu pressen. Dieser Zustand ist potenziell lebensbedrohlich und erfordert sofortige Aufmerksamkeit. Die Ursachen reichen von Kalziummangel und Muskelschwäche bis hin zu missgebildeten Eiern. Ohne eine rechtzeitige Behandlung mit Wärme und Kalzium oder einen tierärztlichen Eingriff drohen Kreislaufversagen und Tod.
Symptome: Warnsignale richtig deuten
Legenot ist für den Vogel sehr schmerzhaft und bedeutet massiven Stress. Je früher du die Anzeichen erkennst, desto besser sind die Überlebenschancen. Achte auf diese Alarmzeichen:
Verändertes Verhalten:
- Das Weibchen wirkt apathisch und lethargisch
- Es herrscht Unruhe, der Vogel wechselt hektisch den Sitzplatz oder kauert untypisch lange auf dem Käfigboden
- Starke Appetitlosigkeit – das Tier verweigert die Nahrungsaufnahme
Körperliche Merkmale:
- Gefieder: Der Vogel sitzt stark aufgeplustert da (Struppgefieder), oft mit breitbeinigem Stand, um den Druck im Unterleib zu entlasten
- Atmung: Da das feststeckende Ei auf die Luftsäcke und die inneren Organe drückt, kommt es oft zu sichtbaren Atembeschwerden oder zu Schwanzwippen beim Atmen
- Unterleib: Eine Schwellung oder sichtbare Vergrößerung des Bauchraums (Kloakenbereich) ist ein deutlicher Hinweis auf ein feststeckendes Ei
Wichtiger Hinweis: Wenn du Blutungen oder sichtbare Verletzungen an der Kloake bemerkst, handelt es sich um einen absoluten Notfall.
Aufplustern & Teilnahmslosigkeit
Wirkt „krank“, sitzt ruhig da, oft mit halb geschlossenen Augen – ein frühes Alarmsignal bei Legenot.
Boden-Sitzen & breitbeinige Haltung
Statt auf der Stange sitzt der Vogel am Boden, häufig breitbeinig oder „gedrückt“ – kann auf starken Druck im Bauchraum hinweisen.
Pressen ohne Eiablage
Wiederholtes Pressen, sichtbares „Kloakenarbeiten“ oder Unruhe ohne Ei – typisch bei feststeckendem Ei.
Atemprobleme (Notfallzeichen)
Schnelles Atmen, pumpender Schwanz oder hörbares Atmen – sofort handeln und zum vogelkundigen Tierarzt.
Veränderter Kot & weniger Ausscheidung
Weniger Kot, ungewohnt geformt oder wässrig – kann durch Druck und Stress im Bauchraum entstehen.
Unterbauch wirkt vergrößert
Der Unterbauch kann voller wirken – wichtig: nicht drücken oder massieren, das kann Verletzungen verursachen.
Soforthilfe bei Legenot: Schritt-für-Schritt-Anleitung für den Notfall
Wenn ein Ei im Legedarm feststeckt, zählt jede Minute. Als Halter kannst du das Problem meist nicht selbst lösen, aber deine Erste Hilfe ist entscheidend, um das Überleben deines Vogels zu sichern, bis professionelle Hilfe eintrifft.
Das Ziel dieser Soforthilfe ist es, den Vogel zu stabilisieren, Stress zu minimieren und wertvolle Zeit zu gewinnen, bis die tierärztliche Versorgung übernimmt.
Phase 1: Das Notfall-Setup in den ersten 5 Minuten
Handle ruhig, aber zügig. Parallel dazu solltest du versuchen, den Tierarzt zu erreichen (siehe unten).
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- Sofort separieren und beruhigen: Setze den Vogel umgehend in eine kleine Transportbox oder einen kompakten Krankenkäfig.
Warum? Weniger Platz bedeutet weniger Bewegungsdrang, weniger Panik und somit weniger lebensgefährlichen Kraftverlust.
Stelle die Box an einen ruhigen Ort ohne Durchgangsverkehr oder neugierige Zuschauer. Dunkle die Box leicht ab (z. B. indem du ein Tuch über eine Hälfte hängst), um den Stresspegel zu senken.
- Sofort separieren und beruhigen: Setze den Vogel umgehend in eine kleine Transportbox oder einen kompakten Krankenkäfig.
- Wärme anbieten (vorsichtig!)
Ein Vogel mit Legenot benötigt Energie. Wärme hilft, den Kreislauf zu stabilisieren, und kann krampflösend wirken.
Wie? Nutze eine Wärmequelle (z. B. einen Dunkelstrahler oder eine Rotlichtlampe in sicherem Abstand oder eine Wärmematte unter einem Teil der Box). - Wichtig: Der Vogel muss der Wärme ausweichen können! Es darf keinesfalls zu einer Überhitzung kommen.
Luftfeuchtigkeit erhöhen: Eine höhere Luftfeuchtigkeit kann helfen, die Schleimhäute des Legedarms zu entlasten.
Stelle dazu eine Schale mit dampfendem (nicht kochendem) Wasser sicher in die Nähe der Box (außerhalb der Reichweite des Vogels) oder nutze einen Raumluftbefeuchter. Hänge außerdem feuchte Tücher in die Nähe.
Phase 2: Kalziumgabe – richtig handeln
Kalzium ist für die Muskelkontraktionen des Legedarms essenziell. Ein akuter Mangel ist oft Auslöser der Legenot. Im Notfall gilt zu Hause:
- Wenn du ein vom Tierarzt verordnetes Kalzium-Notfallpräparat hast, gib es sofort und exakt nach Vorgabe des Tierarztes. Oft wird das Präparat flüssig direkt in den Schnabel gegeben, wenn der Vogel noch schluckt.
- Sepiaschale/Mineralstein sollten immer verfügbar sein. Sie sind wichtig für die langfristige Grundversorgung, lösen eine akute Legenot aber nicht schnell genug.
- Experimentiere nicht: Gib niemals eigenmächtig kalzium-Brausetabletten für Menschen oder andere „irgendwie dosierte” Präparate. Eine falsche Dosierung kann zusätzlich schaden.

Eine deutliche Vorwölbung im Kloakenbereich kann auf Legenot oder einen Kloakenprolaps hindeuten – das ist ein Notfall und gehört sofort tierärztlich abgeklärt.
Damit du weißt, was dich erwartet, hier eine Übersicht der typischen Maßnahmen des Tierarztes
In der Praxis wird zuerst eine Stabilisierung durchgeführt. Dazu gehören Wärme, Flüssigkeit, Schmerz-/Stresskontrolle und häufig auch Kalzium. Anschließend wird geschaut, wo das Ei sitzt und wie der Zustand ist. Je nach Lage und Schweregrad kann der Tierarzt weitere Maßnahmen ergreifen, zum Beispiel eine medikamentöse Unterstützung der Kontraktion, Bildgebung oder die vorsichtige Entfernung durch Fachpersonal. Genau deshalb sind „Hausmittel” und Manipulationen so riskant.
Lebenswichtige Warnung: Absolute No-Gos
In Paniksituationen neigen Halter dazu, Maßnahmen zu ergreifen, die zwar gut gemeint sind, für den Vogel jedoch tödlich sein können. Vermeide unbedingt Folgendes:
- ❌ NIEMALS drücken oder massieren! Versuche auf keinen Fall, das Ei durch Druck auf den Bauch herauszubefördern. Das Ei kann im Körper zerbrechen. Die scharfkantigen Schalenstücke verletzen innere Organe und können zu inneren Blutungen oder einer tödlichen Bauchfellentzündung führen.
- ❌ KEIN Öl in oder an die Kloake! Öl verklebt das Gefieder, stört die Wärmeregulierung, kann die Haut reizen und das Infektionsrisiko drastisch erhöhen. Es hilft nicht.
- ❌ KEINE Instrumente einführen! Manipulationen mit Wattestäbchen, Pinzetten oder Ähnlichem führen zu schwersten Verletzungen der empfindlichen Schleimhäute.
Weiterführende, fachlich geprüfte Quellen (EEAT)
Alarmstufe Rot: Wann du sofort losfahren musst
Warte nicht auf einen Rückruf oder darauf, dass die Soforthilfe wirkt, wenn sich der Zustand zuspitzt. Fahre sofort zum nächstgelegenen verfügbaren Tierarzt oder in die Klinik, wenn eines dieser Symptome auftritt:
- 🚨 Deutliche Atemnot: Der Vogel „pumpt” stark mit dem Schwanz oder schnappt sichtbar nach Luft.
- 🚨 Apathie und Kollaps: Der Vogel kippt von der Stange, liegt am Boden, hat geschlossene Augen und reagiert kaum noch.
- 🚨 Sichtbare Verletzungen: Es treten Blutungen an der Kloake auf oder Gewebe tritt hervor (Kloakenvorfall).
- 🚨 Rapide Verschlechterung: Der Vogel presst anhaltend und erfolglos, während er gleichzeitig immer schwächer wird.
Legenot vs. Legezwang: Der entscheidende Unterschied
Beide Begriffe werden oft vermischt, haben aber unterschiedliche Bedeutungen:
- Bei einer Legenot kann das Ei nicht rechtzeitig oder nicht normal abgelegt werden. Es handelt sich um einen akuten Notfall.
- Legezwang: Das Weibchen legt immer wieder Eier (hormonell/Bruttrigger). Dies ist chronisch und erhöht das Risiko, dass es irgendwann zur Legenot kommt (durch Erschöpfung, Mangelerscheinungen oder Entzündungen).
Wer Legezwang früh erkennt und gegensteuert, kann das Risiko einer Legenot deutlich reduzieren.


