Das Verdauungssystem des Wellensittichs ist hochspezialisiert und ermöglicht eine effiziente Verarbeitung von Körnern und anderen Nahrungsmitteln. Der Kropf, die einzigartigen Eigenschaften des Muskelmagens sowie die speziell angepasste Leber und Bauchspeicheldrüse tragen wesentlich zur Gesundheit und Vitalität des Wellensittichs bei.
Das Verdauungssystem des Wellensittichs ist ein Wunderwerk der Natur. Seine effiziente Funktionsweise ermöglicht es dem Vogel, seinen hohen Energiebedarf zu decken und gleichzeitig ein leichtes Körpergewicht für optimale Flugfähigkeit zu erhalten.
Untersuchungen haben gezeigt, dass bei mäßig gefülltem Magen der Übergang des Nahrungsbreis vom Kropf in den Verdauungstrakt unmittelbar nach der Futteraufnahme beginnt. Bereits 15 Minuten später erreicht der Nahrungsbrei den vorderen Dünndarm und nach 20 bis 30 Minuten ist er im Enddarm nachweisbar. Interessant ist, dass selbst 24 Stunden nach der Futteraufnahme noch Spuren des Futters im Kropf gefunden werden können.
Der Kropf – ein cleverer Vorratsspeicher
Ein zentrales Element ist der Kropf, der als vorübergehender Nahrungsspeicher dient. Interessanterweise wird der Kropf erst gefüllt, wenn der Magen bereits voll ist. Die Entleerung des Kropfes erfolgt über den Vagusnerv und wird ausgelöst, sobald der Magen leer ist.
Der Verdauungstrakt des Wellensittichs beginnt mit der Speiseröhre (Ösophagus), die sich rechts von der Halsmitte befindet. In Höhe des ersten Rippenpaares geht die Speiseröhre in den Drüsenmagen (Proventriculus) über. Hier werden wichtige Verdauungsenzyme und Sekrete gebildet.
Der Übergang vom Drüsenmagen zum Muskelmagen (Ventriculus) ist durch eine Einschnürung gekennzeichnet. Der Muskelmagen ist durch dicke Schichten glatter Muskulatur gekennzeichnet. Seine innere Drüsenschicht bildet eine Keratinoidschicht, die als Reibungsfläche dient. Mit Hilfe des aufgenommenen Grits – kleine Steinchen, die oft bis zu 3 mm groß sind – wird die Nahrung mechanisch zerkleinert.
Dünndarm, Dickdarm und Kloake
Der Dünndarm des Wellensittichs besteht aus drei Schlingen: der Duodenal-, Umbilical- und Supraduodenalschlinge. Die letzten beiden entsprechen dem Jejunum und dem Ileum der Säugetiere. Der Dünndarm geht nahtlos in den Dickdarm über, der parallel zur Wirbelsäule verläuft und in der Kloake endet. Im Gegensatz zu vielen anderen Vogelarten hat der Wellensittich keinen Blinddarm.
Die Kloake ist eine Multifunktionskammer, in die nicht nur der Mastdarm (Koprodeum), sondern auch die Harnleiter und die Geschlechtsorgane münden.


